Lachen . 515
ßttsame, aber doch nicht unangenehme fröhlich« Gemüthsbewegungangedeutet wird. Steigt das Lachen bis zum Assect; so ist es, mitKant zu reden, eine konvulsivische Fröhlichkeit. Es ist eine ausge-machte Sache, daß das Lachen i» der Vorstellungskraft seine Be-gründung hat. Es geht demselben jederzeit ein Urtheil von etwasUngereimten, Widersprechenden, überhaupt von etwas absolut Zweck-widrigen vorher. Und eben dieß Zweckwidrige ist es, was als daswahre Komische Lachen erregt. Ein Beispiel soll unsere Behaup-tung näher srläutetn. Man nehme an, ein junges, schönes, gebil-detes Mädchen wird von einem jungen, schönen, gebildeten Jüng-linge geliebt, und dieser sucht auf einem vernünftigen, d. h. durchpaffende Mittel znm Zwecke führenden Wege, die Gegenliebe desMädchens zu erwerben. Dieß ist etwas sehr Ernstes, und durchausnichts, was dem Charakter des Lächerlichen anheim fallen könnte.Wird jedoch dieses Mädchen der Gegenstand der Bewerbung einesalten, häßlichen, lächerlichen Greises , dessen Gemüths - Neigungenmit denen des Mädchens im absolutesten Widersprüche stehen; soerscheint uns das Bestreben dieses Mannes komisch oder lächerlich.Was ist also das Ernste, und was ist das Lächerliche? Ernst sinddiejenigen Handlungen, wc.che auf eine zweckmäßige, nicht wider-sprechende , und auf dem rechten Wege zum vorgesetzten Ziele füh-rende Art vollbracht werden. Lächerlich oder komisch ist hingegendasjenige, was aus die entgegengesetzte Art gethan wird, d. h. wogerade die widersprechendsten und widersinnigsten Mittel angewandtwerden, um zum Endzwecke zu gelangen. (S. Schauspieler-Studien von Sievers, x. 34. Daher scheint es auch gänz-lich »«gegründet zu seyn, wenn behauptet wird, daß das Lachen,welches durch Zweckwidrigkeit an ehrwürdigen Dingen oder Personenhervorgebracht wird, unmoralisch sey, und daß wohldcnkende Men-schen , wenn sie Zeugen davon seyn müssen, ein Misvergnügen da-bei empfinden, wodurch das Lächerliche überwogen, oder gar ver-drängt wird. Doch wollen wir nicht in Abrede seyn, daß bei ehr-furchtscrwcckendcn Gegenständen, wenn sich in ihnen eine Zweckwi-drigkcit ereignet, das Lachen allerdings durch die Achtung, welchewir vor denselben haben, unterdrückt werden könne. Bet dieser Ge-legenheit führt Lossius zwei Fälle an, durch welche das Unerlaubtedes Lachens dargethan werden soll: beide sind von Voltaire. Dieserstellte einstmals einem Fremden, der ihn besuchen wollte, seinenSecretar, der Adam hieß, mit folgenden Worten vor: Voilü IVIr.Aäsmpmois ce n'sst pus 1 e Premier Iromme ciu. moncke (Dasist Herr Adam, aber nicht der erste Mann (Mensch) auf der Welt).Ein anderes Mal rief er, als ihn ein Deutscher besuchte, seinemBedienten zu: ^pporter A b>oire: e'est nn ^Ilemnnck (bring waszu trinken her: es ist ein Deutscher da). Daß aber das Aweckwi-bnge, Ungereimte und Widersprechende nicht immer unschädlich undunnachtheilig seyn müsse, um ein erlaubtes Lachen zu erregen, dashaben wir in dem Art. Komisch (s. diesen) mit zwei Beispielenzu beweisen gesucht. Besonders können solche Gegenstände, bei de-nen der Nachtheil nicht geradezu beabsichtigt gewesen ist, sondernE »om Zufall herbeigeführt wird, unbeschadet der Moralität, be-lacht werden. Ein Beispiel mag dieß beweisen. Einst gratulirte25 " Gesellschaft einen jungen Geistlichen, der zum ersten
-Male Beichte gehört hatte. Dieser dankte; setzte aber hinzu, eszeige von keiner guten Vorbedeutung für ihn, daß gerade seine erste