Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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5l6 Lachen

Beichttochter eine Ehebrecherin gewesen sey. Hierbei nannte er je,doch, wie sich von selbst versteht, den Namen derselben nicht. Nichtlange darauf trat eine Dame in das Zimmer, und freute sich sehr,den Geistlichen hier zu finden. Man fragte sie, ob sie den Herrnkenne. ,,Ei freilich, antwortete sie, ich bin ja sein erstes Beicht-kind gewesen." Hier konnte sich niemand des Lachens enthalten.UebrigenS wird aber die Wahrnehmung der unschädlichen, unschuldi-gen Ungereimtheit urplötzlich vom Lachen begleitet. Geschehen undlachen scheint ein Moment zu seyn, und je stärker man dasselbe oftverbeißen will, desto gewaltsamer und unwiderstehlicher bricht dasselbenachmals hervor. Wir deuten dieß blos deswegen an, um darausaufmerksam zu machen, welch' eine große und bisher noch uncrklär-bare Gewalt die Einbildungskraft auf den Körper haben muß. DasJa und Nein zu gleicher Zeit scheint eigentlich, wenn wir plötzlichdavon überrascht werden, das Charakteristische des Lächerlichen zuseyn. Wir werden veranlaßt, dasjenige Urtheil, welches wir kurzzuvor gefaßt haben, schnell wieder zu ändern. Die Wahrheit zusagen, belachen wir eigentlich eine solche Erscheinung wie unserneignen Gemüthszufland, oder wie unsere eigene innere Situation,und der Eontrast, welcher durch die schnelle Abwechselung entgegen-gesetzter Situationen in uns entsteht, bewirkt eigentlich das Lachen.Da wir aber die Ursache hiervon in einem Objecte außer uns finden;so sehen wir das Object selbst als lächerlich an. Man hat sich diekörperlichen Veränderungen und Bewegungen, wodurch das Lachenphysisch bewirkt wird, folgendermaßen erklärt. Das fünfte Ner-venpaar erstreckt sich durch das ganze Angesicht des Menschen, undhängt in so fern, als es zwei oder drei Aeste oder Zweige in dasIwergsell sendet» mit diesem zusammen. Durch eine angenehme Be-wegung, die die Einbildungskraft hervorbringt, wird durch die Zu,sammenkunft der Nerven das Zwergfell zugleich mit dem Herzenin die Höhe gehoben, und gleichsam zu wiederholtem Aufhüpfen ge-reizt. Diese Bewegung theilt sich in sofern auch der Lunge mit,als dadurch das Blut aus dem Herzen häufiger nach der Lunge ge-trieben wird. Daher das stoßweise, konvulsivische, wiederholte AuS-athmen der Lunge, daher, wegen des Zusammenhanges der Nervendes Diaphrageas mit den Gesichtsnerven, die Uebereinstimmungdes Mundes, der Stimme, des Angesichts und der Gebärden, uutdem Lachen der Brust. Auf diese Weise hat man auch das soge-nannte sardonische Lachen, oder das Lachen wider Willen, erklärt,welches oft in den größten Schmerzen unaufhaltbar ist. Von derArt war das Lachen jenes Prälaten, der, wie man sagt, an einemunheilbaren Halsgeschwüre litt, und auch daran hätte sterben müs-sen, wenn nicht sein Affe die Jnful desselben aufgesetzt und sich darmim Spiegel beschaut hätte, worüber der Prälat so heftig lache»mußte, daß sein Geschwür von der Erschütterung aufplatzte. ESgiebt Menschen, die über alles lachen, und Menschen, die nur wenigund selten lachen, und wiederum andere, welche heute viel und mor-gen wenig, oder gar über nichts lachen. Dieser Unterschied läßt Mwie wir glauben, folgendermaßen erklären. Die Dinge, worüberwir lache», oder eigentlicher, die Situationen der Seele, welche dasLachen veranlassen, haben allemal, nach unserm Urtheile, etwas Ko-misch-Ungereimtes, Widersprechendes, oder scheinbar Unmöglicheszum Grunde, und der seltsame Zustand unseres Gemüths entMaus der Ungewißheit unseres Urtheils» uach welchem zwei wider-