Lachen Lächerlich 517
sprechende Dinge gleich wahr erscheinen. Mangel an Einsicht desVerstandes, verbunden mit lebhafter Einbildungskraft und einemreizbaren Nervensysteme, können daher bei einigen Personen die Ur-sache werden, über jede Kleinigkeit zu lachen. Sie können sich dasRäthselhafte auch in dem geringsten komischen Gegenstand« nicht er-klären, und begnügen sich damit, wenn sie nur durch fröhliche Ab-wechselungen ihrer Gemüths-Situationcn angenehm unterhalten wer-den. Größere Einsicht des Verstandes hingegen, mit einem gebil-deter« Geschmack verbunden, würdigt höchstens das unerwartet Ko-mische, das complicirte Ungereimte mit gemäßigter Fröhlichkeit zubelachen. Ist die Seele durch unangenehme Ereignisse nicht zurEmpfänglichkeit des Fröhlichen gestimmt; so erregt da« Lächerliche,wie natürlich, statt des Lachens, Ekel und Verdruß. Außer demeigentlichen Komischen, welches wir bereits oben erklärt haben, istnun noch das sogenannte Witzige eine Ursache des Lachens. Wenndas Komische das völlig Zweckwidrige in der Handlung ist; so scheintdie Natur des Witzigen in dem Zweckwidrigen, welches in einembloße» Urtheile liegt, begründet zu seyn. Obenerwähntes BonmotVoltaire's bei der Vorstellung seines Secrelars Adam enthält nichtsKomisches, sondern etwas Witziges, weil eben das Zweckwidrigenicht in einer Handlung, sondern in einem Urtheile liegt. Man er-wartet nämlich nicht, daß Voltaire bei seinem Secretär, der zu-fällig Adam heißt, an den ersten Menschen Adam denken, und beide,so zweckwidrig wie möglich, iu eine Bergleichung mit einander brin-gen werde. Hier also enthält nicht die Handlung, sondern das Ur-theil das, was wir lächerlich finden. Das komische Lächerliche liegtauch in demjenigen Zweckwidrigen, welches durch Ausbeutung, oderMisvcrstchen der Worte hervorgebracht wird. Im Scbaldus Noth-anker von Nicolai will ein Herrnhuter einen rohen Menschen be-kehren, und bittet ihn sehr beweglich, er möchte sich doch zumLamme wenden. ,,Ach, antwortet dieser, ich komme so eben ausdem Lamme; da ist sauer Bier." Diejenige Art des Lachens, welcheaus dem eigentlichen physischen Kitzel entsteht, hat weder Urtheil,noch Vorstellung zum Grunde. Es ist ein bloßer körperlich er-zwungener, konvulsivischer Reiz, mit dem der Verstand in gar kei-ner Berührung steht. Der Kitzel selbst ist eine schmerzhaft ange-nehme Empfindung (äolorikeru voluptas), und das Lachen ein un-willkührlichez Lachen. Uebrigens rechnet Kant das Lachen unter dieAffecte, durch welche die Natur die Gesundheit mechanisch befördert.Das gutmüthige Lachen soll, nach ihm, durch die heilsame Bewe-gung des Iwergfells das Gefühl der Lebenskraft stärken. Er hältdas Lachen für eine Schwingung der Muskeln, die zur Verdauunggehören, welche, wie er meint, dadurch besser befördert wird, alsoft durch dazu angewandte Heilmittel. S. Burlesk und Ko-misch.
Lächerlich. Diesen Ausdruck hat man in der Aesthetik baldw weiterem, bald in engerem Sinne genommen. In weiteremDmne begriff man darunter die ganze Gattung des Schönen, deren^."Ermg sich als ein leichtes, frohes Spiel der Lebens- und Ge-muthskräfte äußert, in jener Stimmung, die das Lachen hervor-und begünstigt. In engerem Sinne verstand man unter Lä»cherllch nur eine solche Beschaffenheit, die durch irgend ein anhaf-s.n.» Fehlerhaftes das Lachen des Spottes und die Verspottung>elvst rerzi, kurz jeden spottfähigen und spottverdienenden Gegen-