Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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, Lastete Lafontaine 52z

nen oft sehr ungerechten Geschichtsschreiber. In diesem Werke han-delt der Verfasser nur etwa auf zwölf Seiten von der Fronde, aberdiese zwölf Seiten wiegen ein ganzes Buch über denselben Gegen-stand auf, weil sie mit eindringendem Geiste geschrieben sind. Esist nur ein Ueberblick, aber der Uebecblick eines Adlers. Noch hati man von ihm den Text zu der Oper, Panther, welche der Herzog.! von Orleans zum Theile in Musik setzte.

I Lasse te (franz. i'nkküte) heißt in der Artillerie ein hölzernesGestell von zwei großen Wänden (Lasfetenwände), auf wel-chem die Kanone liegt. Im Deutschen sagt man: Stückwagen,

' auch Stückgestell.

Lafontaine (Aug.) ist den 6. Febr. i /56 in Braunschwskggeboren. Sein Vater war ein Maler und braver Künstler. Augustwar in Braunschweig und Schöningen auf Schulen und studierte inHelmstädt Theologie. Er hatte keine Neigung zum Pfarrer undwurde 178S in Halle beim General von Thadden Erzieher seinerKinder. Im I. 173g wurde er Feldprediger. i/gr gleng er alssolcher mit der preuß. Armee nach der Champagne. Nach diesemFeldzuge oder bascler Frieden kehrte er nach Halle zurück und priva-.tisirte dort seit dieser Zeit ununterbrochen. Der König von Preußenschenkte ihm eine Anwartschaft auf eine Domherrn-Präbende inMagdeburg, von welcher er aber bis jetzt keine Früchte bezogen hat.Das Urtheil über diesen fruchtbaren und beliebten Roman-schriftsteller ist jetzt ziemlich gleichlautend folgendes: Bei Ferti-gung seiner Liebesgeschichte ist es diesem Schriftsteller weder umAufstellung des eigentlichen Romans im höhern Sinne, noch umKunstwerth überhaupt zu thun. Er will nur angenehm und rüh-rend unterhalten; und diesen Zweck erreicht er fast immer. SeinePhantasie ist nicht glühend, aber lebhaft, seine Darstellungsart be-weiset viel Geschick und Gewandtheit, Plan und Ausführung sindsehr flüchtig, aber meistens gut, der Styl ist diesem allen angemes-, sen, und die Moral welche er einwebt, läßt aus das reine Herz desVerfassers schließen. Doch hat er eine überwiegende Neigung, denMenschen von Seiten seiner Schwäche und Gebrechlichkeit zu schil-dern; auch ist er hierin weit glücklicher, als im Darstellen der edelnMenschennatur, darum gelingen ihm große Charaktere so wenig.Leine Menschen sind ein Mittelschlag, und die Liede quält sie oftvon Kindesbeinen an. Eine Scene des peinigenden Kampfes derPflicht mit der Leidenschaft folgt auf die andere; die unglückliche,sich selbst verzehrende unaufhörlich zwischen Entziehen und Verzweif-lung schwebende Liebe wird mit übersättigender Ausführlichkeit undmit entnervender Empsindseligkeit geschildert. Feuchte Augen, glän-zende Thränen, paarende Herzen und tiefe Seufzer sind daher Haupt-rngrcdienzen seiner Romane. Die Tugend bleibt zwar trotz den ewi-ßkn Kämpfen und der nahen Gefahr des Unterliegens, meistens°"rch Zufall am Ende Siegerin; aber ihres Sieges kann man nichtrecht froh werden, da die von vielem Gram, Schmerz und Kum-E zerweichte Empfindung kein Gefühl von Erhebung und Freudezuläßt. Daß übrigens in seinen bürgerlichen und Familiengemälden«ne große Familenähnlichkeit herrscht, welche in den neuesten seiner«Schriften fast zur Einförmigkeit geworden ist, ist anerkannt, soM wer einige seiner Romane, besonders die ältern, (z. B. denN °.^rling, Quinctius Heymcran von Flamming u. a.) welche ansrriche der Empfindung und reiner Naivetät, alle spätere meit über-