534 . Lamballe
welchen dieser ihn schon früher umstrickt gehalten hatte. Orleansnämlich wollte den Prinzsn verderben, um mit dessen Schwesterdas unermeßliche Vermögen des Herzogs von Panthievre, dessenSahn Wer Prinz von Lamballe war, zu erheirathen. Es gelangihm nur zu gut: der Prinz, von ihm zu den empörendsten Aus-schweifungeu verleitet, starb im zwanzigsten Jahre in der Blütheseines Lebens. Nun ward die Prinzessin zu einem Plane auserse-hen, der dem Hofe seine Lugend und der Nation ihr Glück zurück-geben sollte: sie sollte, da die Königin und auch die Pompadourunter der Zeit gestorben waren, Ludwig XV. heirathen. Hierbeiist schwer zu bestimmen, in wiefern die Prinzessin in der Blütheihrer Jahre den Plan, die Gemahlin eines sechzigjährigen ent-nervten Königs zu werden, begünstigt oder verworfen haben mag:nur das weiß man, daß sie es standhaft und fortdauernd «nie»ihrer Würde fand, durch irgend eine Art von Buhlerkünsten densinnlichen König zu fesseln und jenen Plan begünstigen zu suchen.Wenn sie auf ihmwirkte, so geschah dieß durch den natürlichen Zau-ber ihrer Schönheit und durch die Grazie ihres Umganges, der un-zertrennbar von ihr war. Um diese Zeit brachte der Herzog vonOrleans, eben der, welcher den Prinzen von Lamballe zu Grundegerichtet hatte, seinen Wunsch, sich mit der Schwester desselben zuvermählen, vor den König. Der Kö,nig vsrweigerte anfangs seineEinwilligung, weil er, so regellos auch seine eigenen Sitten wa-ren, es dennoch nicht zugeben wollte, daß eine junge, tugendhafteund reizende Prinzessin einem Wüstlinge, der schon damals seineLaster zur Schau trug, geopfert wurde. Orleans ließ aber nichtnach, und der König willigte endlich unter der Bedingung ein,daß die Wahl der Prinzessin ganz frei bleiben solle. Der Herzogvon Panthievre, so ein rechtschaffener und vernünftiger Mann erauch war, fand sich dennoch von der Idee geschmeichelt, daß seineKochtee mit dem ersten Prinzen von Geblüts vermählt werden sollte,und die Tochter selbst hatte schon längst an dem gewandten Orleansein großes Wohlgefallen gefunden. Die Vermählung ward also be-schlossen und mit großem Pompe vollzogen. Unterdessen hatte Choi-feul, der von dem Einflüsse einer jungen, reizenden und klugenKönigin auf den alten entnervten Ludwig XV. den Untergang sei-ner eignen Macht befürchten zu müssen glaubte, alle seine Künsteangewandt, um die Prinzessin Lamballe von dem Könige zu ent-fernen. Dieß war ihm auch so wohl gerathen, daß nach einigerZeit die berüchtigte Mademoiselle Lange, nachmalige Gräfin däBarry als erklärte Maitresse an den Hof kam. Unterdessen warauch der Dauphin, nachmaliger Ludwig XVI. mit Marie Antoinettevon Oesterreich vermählt worden, welche letztere an der Prinzessinvon Lamballe ein großes Behagen fand, und sie besonders von demAugenblicke an auszeichnete, wo sie selbst den Thron bestieg. Hättedie Prinzessin nur die geringste Anlage zu Hofkabalen und Intri-guen gehabt und nicht durchaus alle Einmischuug in Geschaffte ver-schmäht; so hätte sie «ine große Rolle spielen können. Aber siewandte ihren Einfluß nie zu etwas Andern, an, als Fürsprechen«unglücklicher Menschen zu werden. Die Königin, der ihre Oberhos-meisterin, die Herzogin von Roailles, immer lästiger wurde, wußtees endlich dahin zu bringen, die Stelle einer Oberaufseherin (Lur-anteuäsn1.s äs 1s. rnsisoir äs 1s Leine) wiederherzustellen, wozudie Prinzessin Lamballe ernannt ward. Kurz darauf leistete sie
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