Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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Landschulen 559

rung für Zöglinge aus allen Provinzen eines Lander errichtet undunterhält, wie die Fürstenschulcn in Sachsen, Jlefeld im Hannöver-, schen, ehedem Kloster Bergen hei Magdeburg u. a. m. Landschu-len dagegen werden die Schulen auf den Dörfern genannt. Siesind späteren Ursprungs , als die Stadt- und Klosterschulen; dennda die Bildung überall von den höheren Standen zu den niederenherabsteigt, konnte nicht eher an den Unterricht der Jugend auf demLande gedacht werden, als es besondere Lehrer für diese Bolksclassegab. In der vorchristlichen Zeit wuchs sie daher ohne andern alszufälligen Unterricht auf, und erst das Christenthum hat durch dieAnordnung eines bestimmten Lehrstandes für dieses Bedürfniß ge-sorgt. Denn seit die Dorfschaften eigene Pfarren erhielten, fingendiese an, sich mit der Belehrung der Jugend in ihren Parochieen zudcschäfftigen. Carl der Große und Alfred von England machten inihren Staaten den Parochen die Unterweisung des Landvolks imLesen, Schreiben, Latein und Kirchsngesang zur Pflicht. Aber schonin den Jahrhunderten, wo der Klerus den priesterlichen Charakterannahm, und sich aus Trägheit und Unwissenheit seinem Berufezum Lehren entzog, gehörten Landpfarren, welche Unterricht ertheil-ten, unter die Seltenheiten, und bei der immer schlafferen Aufsichtder Bischöffe und Grundherren, kamen die guten Einrichtungen jenerKönige bald wieder in Werfall. Den Pfarrern genügte, wenn dieLandjugend vor dem ersten Abendmahlsgenuffe das Glaubcnsbekennt-niß nothdürstig hersagen konnte, und sie wäre ganz verlassen gewe-sen, wenn sich nicht hier und da lehrhafte Mönchs ihrer angenom,men hätten. Erst seit dem i 5 tcn Jahrhundert zeigen sich Spuren,daß die Gewohnheit der Pfarren und Obrigkeiten in den Städten,Schulmeister für die Jugend der niedern Bolksclaffe auf eine ge-wisse Zeit anzustellen, auch in den Dörfern nachgeahmt worden ist.Die Gründung bestehender Dorfschulen aber war dem Zeitalter derReformation vorbehalten, wo die Buchdruckerkunst durch die Ver-breitung von Lehrbüchern in der Muttersprache gemeinnützig zu wer-den anfing. Nun erst konnten Abr bücher, Katechismen und Bibelnin« die Hände der Landjugend kommen, und für den früher nurmündlichen, der Willkühr des Lehrers überlassenen Unterricht, einenangemessenen Stoff darbieten. Freilich blieb auch dieser Volksun-terricht immer noch sehr dürftig, und konnte wegen Mangel antauglichen Lehrern bis in die Mitte des igten Jahrhunderts keinemerkliche Fortschritte zum Bessern machen, denn von Spcners undFranke's Einfluß ging, wo er eindrang, auf das aus Handwerkern,abgedankten Bedienten, Schreibern und Soldaten bestehende Land-schullehrerperfonale kaum etwas mehr, als die Miene der Frömmig-keit über. Eben darum wurde auch durch die Landschulordnungeumehrerer protestantischer Regierungen im nördlichen Deutschlandwenig gebessert. Höchst verdienstlich war dagegen das Beispiel desedeln Domherrn von Rochow, der 1772 die Schulen auf seinen Dör-> strn in der Mark durch Anstellung geschickter Lehrer, und Anwen-? bur>g zweckmäßiger Unterrichtsmethoden, zu wahren Bildungsan-E 'l, "?ür feine Unterthanen umschuf. Um dieselbe Zeit sing ein! edler Wetteifer der Regierungen zur Verbesserung des Landschul-! sich zu regen an. Der Dechant von Schulenstejn und der

>" bon Felbrgsr wurden die Reformatoren des Volksunterrichts^Katholischen in Böhmen und Schlesien (vergl. d. Art. Nor-marschulen). Besondere Bildungsanflalten für Landschullehrer,