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Fünfter Band. Von I bis L.
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Largo Larive 579

vielleicht den Eichenwäldern vorstanden. Nach einigen sollen dießNymphen gewesen seyn, welche die Gchutzgöttinnen eines Eichwal-des waren, der sich in alten Zeiten bei der korta gnsriuetuliannin Rom befand

Largo (in der Musik) bedeutet die langsamste Bewegung de«Tempo's. Ein Stück, welches dieses Aeitmaaß zur Ueberschristbat, muß von kurzer Dauer seyn, weil es nicht wol möglich ist, denäußersten Grad von Aufmerksamkeit, welcher zu dessen Anhörungerfordert wird, auf «ine längere Zeit auszuhalten.

Larive, einer der berühmtesten tragischen Schauspieler derFranzosen, ward zu Decize geboren, und verrieth schon in seinerfrühesten Jugend einen Hang zum Außerordentlichen. Denn kaumneun Jahr alt, entwich er seinen Eltern und begab sich in einMönchskloster in Bourbonnaes, um daselbst, nach Erlangung de«gesetzlichen Alters, in den Orden von La Trappe aufgenommen zuwerden. Bon dort wieder in das väterliche Haus zurückgekehrt,zeigte er neben einem ungewöhnlichen Talente zur Nachahmung,eine so große Leidenschaft für schauspislkünstlerische Vorstellungen,daß sich seine Eltern genöthigt sahen, ihm den Besuch des Theaterszu verbieten. Durch diesen Zwang ward jene Leidenschaft in ihmnur noch immer heftiger geweckt. Man that ihn nach Paris in einePension, welche er jedoch, kaum sechszehn Jahr alt, aus Liebe zueinem jungen Mädchen heimlich verließ und dieser nach Honfleurfolgte. Hier hatte er sich während fünfzehn Monate durch Unter-richt den nothwendigsten Lebensunterhalt zu verschaffen gesucht, alsseine Eltern den Aufenthaltsort des Sohns in Erfahrung brachten,und ihn zur Bestrafung nach Domingo einschiffen ließen. Bei derUebcrfahrt dahin sowol, als während seines vorigen Aufenthalts zuHonfleur, war es, nach Larive's eigener Angabe, wo er an den soverschiedenartigen Menschen, welche ihm zu Gesichte kamen, und ander Aeußerung der Leidenschaften, welche diese ihm zeigten, Men-schendarstcllung zu studiren begann. So gab ihm, wie er ebenfallsselbst berichtet, der heftige Zorn, in welchen er bei einer gewissenVeranlassung auf dem Schiffe gerieth, das wahre Schema für dieDarstellung des zornigen Achilles in der Jphigenie, und er behaup-tet, daß er diese Scene, ohne jene Veranlassung, die Aeußerungdes Zorns an sich selbst zu studiren, bei weitem nicht mit der näm-lichen Natur und Wahrheit gespielt haben würde. Folgende Lnec-dote, welche er in seiner Lebensbeschreibung von sich selbst erzählt,möge beweisen, welche Wirkungen die bloße Stimme und der jedes-malige Charakter, welcher in ihr verborgen zu liegen scheint, hervor-zubringen im Stande ist. Eine seiner vorzüglichsten Rollen warbekanntlich Orosman in Boltaire's Zaire. Als er nach der Vor-stellung dieser Tragödie einst zu einer Kaufmannssrau in ein Ge-wölbe trat, um etwas zu kaufen, gerieth diese Frau bei dem Klängeseiner Stimme in die heftigste Wallung. Diese erreichte nach undnach einen so heftigen Grad, daß Larive, der nicht wußte, was eraus der Frau machen sollte, so eben ihr Gewölbe verlassen wollte,als diese ihn beschwor, sich zu nennen, weil seine Stimme einen ent-setzlichen Eindruck auf ihr Herz gemacht habe, und sie sich doch nichterinnern könne, ihn jemals gesehen zu haben. Larive hatte sich, fastwider seinen Willen, kaum genannt, als ihn die Frau mit heftigerEmpfindung in ihre Arme schloß und ausrief: „So sind Sie esalso, Unglücklicher, der Aairen umgebracht hat!" Die Art und