584 Laster Lateiner
zum Laster Herabsinken? Nur durch Wirkung und Gegenwirkungkann sowol die physische als die moralische Natur bestehen, und dar-um muß auch das Laster zum Schöpfer der Tugend werden, so wie !die Nacht den Tag, und dieser wiederum jene erzeugt. Es ist und !bleibt deshalb eine unstatthafte Forderung der Religions- und Tu- !gcndlehrer, die Tugend allgemein machen zu wollen. Alles, wasihnen erlaubt ist zu thun, und was zugleich vom höchsten Zwecke izeigen würde, ist, die Tugend nicht i» der Quantität (denn diesewird stets dieselbe bleiben), sondern vielmehr in der Qualität zn !befördern zu suchen, und dabei den einzig wahrhaft sittlichen Grund- ^satz, dessen, wir schon oben erwähnt haben-, entbehre, zur Normzu machen. Dadurch vermag die Lugend, in sich selbst stets heiligerzu werden und gegen das Laster mit Erfolg ankämpfen zu können.
Lasurstein, s. Lapis Lazuli.
Lateiner (I-utini), das bekannte uralte Volk, welches dieLandschaft Latium in Italien bewohnte, war aus einer Vermischungder Adorigincr mit arcadisch pelasgiichen und trojanischen Abkömm-lingen entstanden. Woher der Name Lateiner kömmt, ist ungewiß;daß er vom Könige Latinus herstammcn soll, ist nicht wahrscheiv- Ilich. Als die ältesten Könige der Lateiner werden die fabelhaften sPersonen Zanus, Saturnus, Picus und Faunus angegeben, welche iauch zugleich den Rang der Götter bei ihnen hatten. Ursprünglich Iwaren diese Namen vielleicht nichts anders, als Benennungen al- Iter pclasgischer (Sattheiten, welche mit den Pelasgiern zu den Ab»- Iriginern gekommen waren. Unter Faunus soll Herkules und Evan-der angekommen seyn, und letzterer die Aboriginer die Buchstaben-schrift, Musik und andere nützliche Einrichtungen des bürgerlichenLebens gelehrt haben, auch dem Faunus in der Regierung gefolgtseyn. Etwa sechszig Jahre danach lebte der König Latinus, -zuwelchem Aeneas kam, nachdem er Troja verlassen hatte, und ihmin der Regierung folgte. Vom AScanius, dem Wohne des Aeneas,wurde die Stadt Alba Longa erbaut und zum Sitze der lateinischenKönige gemacht. Bon da an bietet die Geschichte Latiums, in demalle Könige den Beinamen Sylvius führten, nichts als Dunkel-heit dar, bis auf den Zeitpunct, wo Romulus und Remus ei-nen neuen Staat gründeten. Eifersucht entzündete nun zwischen denbeiden verschwistcrren Staaten, dem lateinischen und römischen, ei-nen Krieg, der sich mit der Unterjochung der Lateiner und mit derZerstörung ihrer Hauptstadt sehr glücklich für Rom endigte. Romward endlich die Hauptstadt von ganz Latium, als der König S er- .viu s die Lateiner durch ein festes Bündniß mit Rom vereinigte. !Bon diesem Zeitpuncte kann man den Anfang von Roms Größeund Macht rechnen: denn ohne die Tapferkeit und Freundschaftwürde Rom wahrscheinlich nie zu dem Gipfel seiner nachmaligenWeltherrschaft emporgestiegen seyn. Larquinius Superdus ,suchte dieses Bündniß der Römer mit den Lateinern noch enger znknüpfen, reizte sie aber, nach seiner Vertreibung, zum Ausstandegegen Nom. Dieser erste Krieg der Römer mit den Lateinern seitdem geschlossenen Bündnisse ward durch die Tapferkeit seiner Dic-tatoren siegreich für Rom beendigt, und daraus das alte Bündnißunter beiden Völkern wieder erneuert. Im I. Roms 414 entstandjedoch ein neuer und weit gefährlicherer Bruch zwischen den Römernund Lateinern: letztere singen nämlich einen Krieg mit den Sani-