Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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Lavater

tcn zärichschen Familien Hcß und Füßlt anknüpfte. Menschenbesb-achten, in sich gehen, über seinen und anderer Seelenzustand wachen,lehren und zur Frömmigkeit ermuntern, wurde das Lieblingsge-schäfft, das er an und mit seine» Freunden betrieb. Als ein 2-jäh-riger Jüngling svrach er sich durch eine auffallende Probe von That-kraft und Unerschrockenheit mündig. Den Landvogt Grebel, einendurch hohe Verbindungen geschützten Beamten, dessen Bedrückungenund Ungerechtigkeiten zu rügen niemand gewagt hatte, klagte er inGemeinschaft mit Heinrich Füßli, dem nachher in England berühmtgeworbenen Maler, 1762 erst anonym, und dann öffentlich bei derRegierung an. Nichts als Gcrechtigkeits- und Vaterlandsliebehatte ihn zu diesem Unternehmen angetrieben, und es gelang. DieUebervorthsiltcn wurden vermöge eines Beschlusses der Regierung vonErebeln entschädigt, und die muthigen Rächer des Unrechts mitauszeichnender Achtung belohnt. In Gesellschaft dieses Füßli reiseteLavater ,763 über Leipzig uud Berlin, wo er die bedeutendsten Ge-lehrten jener Zeit kennen lernte, zu Spa-lding nach Barth inSchwedisch.-Pommern, um seine Bildung zum Geistlichen im Umgängedieses von ihm vor andern geachteten Theologen zu vollenden. Meh-rere Monate vergingen ihm hier unter theologischen und ästhetischenStudien sehr genußreich, und konnte auch Spaldings Ruhe undKlarheit nicht auf sein feuriger treibendes Wesen übergehe»; soverdankte er diesem Aufenthalte doch manchen Wink über die wür-dige Verwaltung des Predigtamtes, und dieser Reise überhaupt«ine nähere Bekanntschaft mit der deutschen Literatur. Dieß zeigtesich bald nach seiner Rückkehr in die Vaterstadt, 1764, wo er nunseine Zeit zwischen jener ssreundschaftlichen Äeelsorge, biblischen Stu-dien un- poetischen Versuchen theilte. Klopstocks und Bodmers Mu-sen hatten sein nicht gemeines Dichrcrtalent angeregt, das sich nuntäglich in Liedern ergoß und gleich die ernsie Richtung auf Reli-gion und Vaterland nahm, in der es sein ganzes L^ben hindurchfortgcarbeitct hat. Seine anerkannt trefflichen und gediegenenGchweizerlieLer, die 1767, und die Aussichten in dieEwigkeit, die 1768 zuerst erschienen, begründeten seinen Ruhmund erwarben ihm eine große Menge Verehrer, die hingerissen vondem Zauber seiner phantasicreichen Darstellung ihm nachsahen, daßer in den Aussichten sich oft in kühne Muthmaßungen verlor, unddie Aufschlüsse über das Jenseits schuldig blieb, die sein zuversicht-licher Ton zu versprechen schien. So. wirkte er schon in einem aus-gebreiteten Kreise, als ihn die Sorgen des häuslichen Lebens (seit2766 war er mit der bescheidenen, frommen Gattin, die ihn über-lebte, verbunden) und die Pflichten des geistlichen Amtes, in das «r1769 als Diaconus an der Waisenhauskirche zu Zürich eintrat, inAnspruch nahmen. Doch der Trieb und die Fähigkeit, Vielen Vie-les zu seyn, war ihm nun einmal eigen, und während die außer-ordentliche Wirkung seiner Predigten, die voll Geist, Leben undGlaubenszuversicht durch eine starke, herzgewinnende Sprache undeinen rührenden Vortrag den rauschendsten Beifall fanden, die an-ziehende Kraft seines Umganges, in dem er Menschen aus allenStänden zu genügen und sich zugleich lehrreich und angenehm zumachen wußte, die sittliche Reinheit und Einfachheit seines Lebens-wandels , durch den er sein Christenthum ohne alle Affeetation undKopfhängerei praktisch bewährte, und die unermüdete, aufopferndeHerzensgüte, mit der er überall zu nützen suchte, und besonders '>»