Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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Leibrenten Leidenschaft 657

sich an Zinsen einzunehmen zu haben rc. Alle diese Beschuldigungen abergelten eigentlich nur in Paris entstandenen Mistbräuchen der Leibrenten;vielmehr geben die Leibrenten ein Mittel an die Hand, durch wel-ches einzelne Personen und Familien sich vor der relativen Armuthsichern, manche aber auch sich in eine solche Sage setzen können, daßsie ihren gewohnten Aufwand zu vergrößern und statt eures hinrei-chenden Auskommen« Ueberschuß für ihre ganze Lebenszeit sich zuverschaffen im Stande sind. Für den Staat selbst hat die Leibren-tenanstalt überhaupt »och den großen Nutzen, sie befördert denGeldumlauf, hilft dringenden Bedürfnissen schleunigst ab, und er-spart zum Theil die Bezahlung der Zinsen und allemal die Zurück-zahlung des ganzen Capitals. X.

Leicht (m der Physik) ist ein relativer Begriff, welcher das,im Vergleiche mit einem a»dern Körper geringere, Gewicht einesKörpers bezeichnet. Absolut leicht würde ein Körper seyn, dessenSchwere gleich Null wäre: einen solchen giebt es aber nicht, wennman nicht etwa den Licht- und Wärmeftoff für einen solchen haltenwill. Ob wir gleich in diesem Stoffe noch keine Schwere habenentdecken können; so folgt daraus aber immer noch nicht, daß erauch keine Schwere habe. Au den leichtesten, materiellen Körperngehören die verschiedenen Gas - und Lustarten , Dampfe, Ausflüsseaus riechenden Substanzen u. s. w.

Leidenschaft (in der Anthropologie und Seelenlehre) ist vonKant vom Affecte unterschieden worden. Er erklärt die Leidenschaftfür eine Neigung, welche durch ihren überwiegenden Einfluß dieVernunft verhindert, sie, die Neigung, in Ansehung einer gewissenWahl mit der Summe aller Neigungen zu vergleichen. Allein durchdurch diese Definition scheint Leidenschaft von Affect nicht unterschie-den zu seyn. Denn auch bei Affecten und mehr noch bei diesen, alsbei den Leidenschaften, wird die Vernunft verhindert, diese Affec-ten, in Ansehung einer gewissen Wahl mit der Summe aller Nei-gungen zu vergleichen. Da die Leidenschaften den Affecten unterge-ordnet zu seyn scheinen; so möchten wir erstere lieber durch starkeBegierden erklären, welche nicht, wie die Affecten, die Vernunftgänzlich unterdrücken, sondern derselben noch häufig eine Wahl übriglassen, ob sie gleich gewöhnlich über dieselbe den Sieg davon tragen.Die Leidenschaften reißen den Menschen nicht außer sich, wie dirAffecten. Im affectvollen Zustande ist keine Ueberlcgung, keineWahl möglich: die Vernunft wird von dem Affecte mit fortgerissen;aber die Leidenschaft, bei welcher der Mensch immer noch bei kaltemBlute und Herr seiner Vernunft seyn kann, läßt dieser noch immereine Wahl übrig. Die Leidenschaft scheint, als mit dem Menschengeboren und erzogen, in den Charakter desselben gleichsam verschmol-zen , also eine alte, der Herrschaft des Verstandes längst unterwor-fene, Angewöhnung zu seyn. Der Affect hingegen ist eine momen-tane Aufwallung des Temperaments, die ungezügelt ihrem Zweckeentgegensirebt und über welche der Verstand, da, wo sie sich einmalZu außer» pflegen, in den allermeisten.Fällen gar keine Herrschaftauszuüben im Stande ist. Die Leidenschaft scheint, wie schon ge-lugt, dem Charakter, der Affect aber bloß dem Temperamente an-zugehören. Beffchen wir nun die Leidenschaften auf Moralität; somuffen wir allerdings behaupten, daß diese, wo noch, wenigstensM^chslse, von der Vernunft die Rede ist, bei weitem nicht solyadlich sind, als die Affecten, welche stets über die Vernunft den