6z8 Leidenschaft Leihbank
Sieg davon tragen. Denn die Erfahrung lehrt, baß ein Mensch,bei welchem die Jagd zur Leidenschaft geworden ist, unter mehrerngleichzeitige» Vergnügungen dieser den Ausschlag geben kann, ohmjedoch dadurch auch nur im geringsten seinen höhern Pflichten U-bruch zu thun. Hierbei ist also sicher an keine Schädlichkeit dies»Leidenschaft zu deuten, die, wenn übrigens alles gleich ist, sehr er-laubt seyn kann. Nur in so fern könnte man sagen, daß die Lei-denschaft der Freiheit Abbruch thue, als sie bei der Wahl ihrerZwecke die Vernunft zu bestechen sucht. Dieß thun aber mehr oderweniger alle Begierden. Da sich aber die Vernunft zu Gunsten derNeigung nicht bestechen läßt; so ist es nur ein geheimer Betrug,den sich das Subject selbst spielt, indem dasselbe die Gründe derVernunft, im Fall das durch die Leidenschaft begehrte Object sichnicht mit ihren Grundsätzen vereinigen lassen sollte, in den Schadtcn stellt , damit sie vor den Gcheiugründen der Leidenschaft nichtbemerkt werden mögen. Da die Leidenschaften, vermöge ihrer Na-tur, alle sinnlichen Ursprungs sind, und ein bloßes reines Vernunft-wesen gar keine Leidenschaften haben kann; so scheint daraus zufolgen, daß die Eintheilung in sinnliche oder vernünftige Leiden-schaften grundlos ist. Man folgert nämlich so-, da alle Leidenschaf-ten , ob sie gleich sinnlich sind, unter Aufsicht der Vernunft zu ver-nünftigen Zwecken geleitet werden können; so erhält eine solchedurch Verminst mvdificirte Leidenschaft ein vernunftähnlichcs Ansehn,bleibt doch aber sinnlichen Ursprungs. Man könnte jedoch die Tin-theilnng der Leidenschaften in sinnliche und vernünftige allerdingsgelten lassen, wenn man sie folgendcrgestalt. erklärte: sinnliche Lei-denschaften sind solche, deren Befriedigung in sinnlichen Genüssenbesteht; vernünftige Leidenschaften hingegen heißen solche, die sichauf den Genuß des Verstandes beziehen. Wo demnach der Körpergenießt, da wäre eine sinnliche Leidenschaft, und wo der Verstandsich -Befriedigung verschafft, eine vernünftige Lßidenschaft vorhan-den. Eine Leidenschaft, welcher der Mensch am öftersten folgt, di:also die übrigen an Starke übertrifft, heißt die Lieblings- oderherrschende Leidenschaft. Eine solche ist entweder nur ver-gleichungswcise eine solche, weil sie in ihrer Wirksamkeit stärker ist,als andere, mit welchen man sie vergleicht, und in diesem Ver-stände kann der Mensch mehr als eine herrschende Leidenschaft ha-ben; oder sie macht den schlechterdings höchsten Zweck des Menschenaus, so, daß alle andere ihr subordinirt sind und von ihr regiertwerden. Dann ist diese Leidenschaft die schlechterdings herrschende,oder besser tyrannische Leidenschaft.
Leihbank, Lehnbank, Leihhaus oder Lombard(Mons xietatis), ist eine öffentliche Anstalt, bei welcher Jeder-mann , vorzüglich aber die bedürftigen Bürger gegen Pfand kleineund große Anleihen auf kurze Zeit für billige Zinsen erhält, umdadurch zu verhüten, daß die Borger nicht dem übertriebenen Wu-cher »»beschnittener und beschnittener Juden preis gegeben seyn mö-gen. Räch Verlauf der bedungenen Schuldzeit werden die Pfänderöffentlich versteigert und der Ueberschuß nach Abzug der Zinsen undaller Kosten wird dem Eigenthümer zurückgegeben oder ein Jahr fürihn aufbewahrt; wenn^er sich jedoch binnen dieser Zeit nicht zurEmpfangnehmung meldet, so ist alsdann her Ueberschuß den Armen-kassenanstaltcn anheimgefallen. Die Leihbank giebt Scheine aus, mwelchen der Lag der Verpfändung, die Summe des empfangenen
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