64c» Leipzig
im Thau scheint Borzüge vor der im Wasser zu haben. Nach derRöste wird der Flachs gedörrt, damit die Stengel leicht zerbrochenund die Holzstückchen und übrigen Theile sich leicht von den Fasernabsondern lasten. Das Zerbrechen der Stengel, wobei jedoch dieFasern nicht zerrissen werden, heißt das Braken, und geschiehtauf einem einfachen hölzernen Instrumente, welches Brake oderBreche heißt. Dann folgen die übrigen Zubereitungsmittel, unterdenen dasjenige, vermöge welches der Flachs bis zur Feinheit derSeide verarbeitet wird, allein vielleicht nicht allgemein bekannt seyndürfte. Diese Verfeinerung des Flachses besteht darin, daß mandie in demselben noch vorhandenen hölzernen Theilchen durch einenAufguß von siedender Aschcnlauge, in welche Leinsaamen, venetiani-sche Seife, Glasgalle, gelbes Harz, Weißwurz und Kochsalz gewor-fen werden, von dem eigentlichen Flachse zu sondern sucht. DasLeinengarn wird bekanntermaßen am meisten zu Hemden ver-braucht. Die berühmten brabanter Kanten, Batist, Kammertnchu. s. w. werden ebenfalls aus dergleichen Garn verfertigt. Da manaus einem einzigen Pfunde Flachs 7000 Gulden gewinnen kann;so crgiebt sich daraus, daß diese Art Spitzen bei weitem den Werthdes Goldes übertreffen. Daß aus Leinen auch Papier verfertigtwerde, bedarf hier keiner wettern Erwähnung.
Leipzig, «ine der wichtigsten deutschen Handelsstädte undUniversitäten, in Kursachsen, und zwar im leipziger Kreise, in einerschönen Ebene an der Pleiße gelegen. Bis zu Anfange des ibtenJahrhunderts führte sie von den Sorben - Wenden, einer slavische»Ration, welche zuerst das Land zwischen der Elbe und Saale an-bauten, den slavischen Namen Lipzk, welcher einen Lindenhainbezeichnet. Won diesem Haine scheinen noch jetzt die zwischen derStadt und Borstadt delegenen schönen Linden-Alleen eine Spur an-zudeuten. Im fünfzehnten Jahrhunderte wurde Leipzig, welche«an sich keine günstige Lage zum Handel hat, durch ein Zusammen-treffen mehrerer günstiger Umstände eine Handelsstadt, nachdem eibereits seit 1Z87 eine Handelsniederlage gewesen war, und nahm ineiner direkten Verbindung mit Augsburg und Nürnberg, an Vene-digs unermeßlichen Geschähen Antheil. Der innere Handel, welchergegenwärtig so hoch gestiegen ist, konnte jedoch damals nur sehr un-bedeutend seyn. Gegenwärtig kann der jährliche Meßhandel vonLeipzig, wo drei Messen gehalten werden, unter denen die Oster-und Michaelis messe die wichtigsten sind, aus die runde Summevon achtzehn Millionen Thaler angeschlagen werden. Ein Haupt-zweig des leipziger Handels ist der Buchhandel, der sich fast ganzhier concentrirt. Zwar stehen die Manufakturen in Leipzig nichtim Verhältniß mit der, Größe des dasigen Handels, doch giebt esmehrere Fabriken von Bedeutung daselbst. Man verfertigt hierSammt, seidne und halbseidne Waaren, Spielkarten, Tapeten, Le-der, Tabak, Wachs-Leinewand, Stickereien u. s. f. Die im I. i 4 °Svon Friedrich dem Streitbaren, auf Veranlassung der Un-ruhen auf der Universität zu Prag, gestiftete Akademie behauptetbis jetzt den Ruf einer der ersten Akademieen in Deutschland. DieZahl der Einwohner belief sich 178g auf 23,260; im Oct. *795 Be-trug die Volksmenge 3-,-62, und wird jetzt auf ZS.ooo Meirichenangegeben. Hierbei ist bemerkenswerth, daß Leipzig nicht nurunter den sächsischen Städten, sondern auch gegen andre große StädteEuropens die größte Mortalität hat. Eine Hauptursache hiervon