Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
Seite
646
JPEG-Download
 

646 Leipzig

platze. Die Sachsen betrauerten den tapfern Bindauf, den Dies-kau und zwei Starschedel. Im kaiserl. Heer waren die drei ober,stsn Führer: Tilly, Pappenheim und Fürstenberg verwundet. Lillyhatte den Ruhm der Unüberwindlichkeit, der Kaiser den bestenTheil seiner Kriegsmacht und den Gewinn eines zwölfjährigenglücklichen Krieges verloren. Die magdeburgsche Hochzeit war ge<rächt, des Protestantismus Fortdauer und Deutschlands Freiheitgesichert. Der Kriegsrulm des Besiegten ging auf den meuschli-chern, frommen Sieger über. Das war die Schlacht bei Breiten-feld unweit Leipzig vom 7. September 16Z1.-Roch herrlicher

und folgenreicher wird dereinst, wenn auch der Jubel der Zeitge-nossen verhallt ist, in den Jahrbüchern der Geschichte glänzen diegroße Völker- und Befreiungsschlacht bei Leipzig vom 16. 13. und19. Oktober des vcrhängnißvollen Jahrs 181Z. — Napoleon warendlich, immer enger und fester von klugen Gegnern in seinemSchlupfwinkel bei Dresden umgarnt, von dort aufgebrochen, denentscheidenden Schlag zu vollführen, der Deutschlands Ketten un-auflöslich machen sollte. Die Meinung wogte seyn: mit Hast durchdie asfen Kriegskünste die Gegner einzeln zu packen, erst dentapfern Blücher und den vorsichtigen Carl Johann zu zer-malmen, dann dem großen Heere unter SchwarzcnbergGaraus zu wachen. Im stolzen Wahne des Siegs gewiß, hatteNapoleon den Marschall St. Cyr mit fast 3 n,ooo Mann und 40Generalen in Dresden zurückgelassen, den frommen bethörten Kö-nig der Sachsen nebst dessen Gemahlin und Tochter aber mit sichgenommen, und so war er denn auf den Ufern der Elbe hin undher, jedoch vergeblich gefahren, weil jede einzelne Heersabtheilungsich seiner Uebermacht klüglich entzog, bis alle vereinigt dem furcht-bar schnaubenden Raubthiere aufs Leben gehen könnten. Auf dieWeise selbst berückt, indem er Andere berücken wollte, traf er mitder Sachsen Könige am 14. Oktober zu Leipzig ein, wo schon dieHeersabtheilungen unter Marmont, Victor, Arrighi und Ponia-towskv angekommen, auch Augereau mit der Nachhülfe über denThüringer Wald eingetroffen war. Den Plan zur entscheidendenSchlacht dachte er sich etwa folgendermaßen: den scharf vortreten,den Winkel der Elster-Riederungen, worin Leipzig liegt, wollte erfesthalten und als Keil gebrauchen, der zwischen der VerbündetenHeersabtheilungen hineingeschoben werden sollte, Leipzig aber alsRiegel dem einen Heere seiner Feinde vorschieben, bis er das an-dere geworfen hätte. Darum war am i 5 . Oktober das Hauptquar-tier, von 64 Schlachthaufen seiner Leibtrabanten umgeben , zuReidnitz, eine halbe Stunde von Leipzig. Im Dorfe Lindeuaustand die vierte Heersabtheilung unter Bertrand, und König Mu-rat hatte mit dem zweiten, achten und fünften großen Heerhaufenseine Stellung dergestalt genommen, daß der rechte Flügel zu Do-litz, der linke zu Liebertwolkwitz stand. Der sechste Hausen be-hauptete Lindenthal, und der siebente war im Marsche auf Eilen-burg, um dem sechsten die Seiten zu decken. Die Stellungen vonTaucha und an der Partha, wie auch die Brücken von Würzenund Eilenburg, blieben stark besetzt. — Den furchtbaren Massenentgegen stand am r 5 . Oktober der alte Held Blücher mit demschlesischen Heere bei Skeuditz, oberhalb Leipzig; Carl Johannwar noch zurück bei Halle, jedoch in scharfem Anmarsch. Von dergroßen österreichischen Armee rückte Feldzeugmeistex Giulay von