Lemierre 6är
ihren Sitz genommen hat. Lemberg ist «ach Brody zugleich diewichtigste Handelsstadt in Gallizien. Unter den dortigen Ge-werbsanstalten zeichnet sich die große Cottonfabrik des GrafenFries zu Wien au.s, welche auch "RaNkins, viele andere baumwol.lene Zeuge, auch Tischzeug liefert, eine Färberei von echtem türki-schen Garu enthält und 42g Menschen ernährt.
Lemierre (Antoine-Ätarie), Mitglied der französischen Aka-demie, wurde im I. i/zz zu Paris geboren und starb zu Saint-Germain-en-Laye im July r/gz. Nachdem mehrere seiner Gedichte,wie z. B. : 8nr In Sinosried (übe die Aufrichtigkeit) ; Lur 1 'sm-xirs äs In inoäe (über die Herrschaft der Mode) ? Lur 1 e sona-merce (über den Handei); 8»r I'uvilite äes äscouvsrtes kaiesrraus 1 s rezus äs Ironie XV (über die Nützlichkeit der Entdeckun-gen, welche während der Regierung Ludwigs XV. gemacht wordenfind) den Preis der französischen und mehrerer Akadcmieen in denProvinzen erhalten hatten, verfertigte er folgende Trauerspiele,welche nicht ohne Beifall ausgenommen wurden: U^xermusstr-(1748), l'örüs (176c), läornönss (1764), Xrtaxerss (1766), Suil-laums ll'oll (1769 und von neuem auf die Bühne gebracht 1790),I-a veuvs äu lllaladar (1770; dies Stück ist unter dem TitelLanassa von Plämike für das deutsche Theater bearbeitet wor-den) und Rnrnevsläb (1733). Obgleich diese Stücke im Allgemei-nen wenigen Beifall erhielten: so erlebten ttz-peririneetrs und Inveuve än WKlsdsr doch eine große Reihe von Vorstellungen.Letzteres Stück, welches bei seiner ersten Erscheinung 1770 beinaheiurchgefallen wäre, ward, gänzlich vom Verfasser umgearbeitet,zehn Jahre später mit dem größten Beifall aufgenommen. Inder That zeichnen sich diese beiden Stücke durch eine glücklicheVersification, durch schöne Änzelnheiten und durch Scenen Vonder höchsten Wichtigkeit aus, ob man gleich nicht in Abrede seynkann, daß der Plan fehlerhaft, die Charaktere ohne hinlänglichesInteresse, der Inhalt ohne Wahl und ohne die gehörige Kunst be-handelt sind. Um den Werth seiner Diction zu charakterisiern,brauchen wir nur anzuführen, daß die Clairon sich oft darüber zubeklagen pflegte, daß sie genöthigt wäre, Lemierre's Verse zuspeien (gu'elle stoit sdliAss äs craoflsr 1s« vers äs I,eniisr-re). Die nämlichen Fehler befinden sich in seinem Gedichte äs 1 axsinture (über die Malerei), in welchem man jedoch einige Stel-len, wie z. B. 1 'Invosstion au soleil (der Anruf an die Sonne)und sur 1 a Obimis (über die Chemie), mit Lobe erwähnt, weilsie wirklich von einem poetischen Geiste eingegeben zu seyn schei-nen. Andere Stellen in demselben sind dafür von desto schächerexWirkung. Auch sein, in sechzehn Gesängen abgefaßtes Gedicht:Dos kastes st äes USSASS äs 1 'annss (von den Festtagen und denGebräuchen des Jahrs) hat dieselben Borzüge und dieselben Män-gel. In diesem zeichnet sich besonders die Beschreibung des Mond-scheins aus. Uebrigens hat sich Lemierre als braver Sohn undals liebender Gatte bewiesen, so wie er durch seine sanfte und ein-fache Gemüthsart allen Intriguen und Cabalen stets abgeneigtgewesen ist. Die einzige Schwäche, welche man ihm mit Rechtvorwerfen könnte, war die Eigenliebe, mit welcher er selbst seineeigenen Werke beurtheilte. So pflegte er zu sagen, daß von ihmbis zu Voltaire nur ein Katzensprung (saut äs loup) wäre.Als er eines Abends ins Theater trat, wo eine seiner Tragödien