66s LemniuZ
aufgeführt werben sollte- sagte er; „Es ist ja alles voll: iru»kann ich nicht begreifen, wo die Menschen stecken."'' Bon seinembekannten Verse: I-e tr-clerit äe iöleptuns est soeptre-ckninoncks (der Dreizack Neptuns ist das Zepter, welches die Weltregiert, pflegte er zu sagen, er sey der BerS des ganzen Jahr-hunderts.
Leinnins (Simon), eigentlich Lemiehen, ward zwischenden Jahren 151 a — an zu Margadant in Graubünden geboren,studirtc -535 zu Jngolstadt und begab sich von dort nach Witten-berg , wo er nach seiner eigenen Angabe fünf Jahre lebte. Erhatte sich frühzeitig durch einen lebendigen Kopf und durch nichtgemeine Sprachkenntniffe ausgezeichnet, und kam daher mit einerMenge höchst ehrenvoller Empfehlungsschreiben bei Melanchthon an,der ihn auch in kurzem sehr lieb gewann und ihm in seinem Hausedie freundschaftlichste Aufnahme gestattete. Seiner ausgezeichnetenKenntnisse wegen ertheilte ihm die dortige Universität, wie oft zugeschehen pflegte, ungesucht und unentgeltlich die Magisterwürde.Auch war er so eng mit Melanchthon verbunden, daß er diesem, al§>535 wegen der Pest die Universität nach Jena verlegt wurde,dahin folgte, und auch mit ihm wiederum nach Wittenberg zu-rückkehrte. Bei einem so lehhaften Geiste, wie Lemnius ihn hat-te, konnte es nicht fehlen, daß dieser, durch einige, jüngere Freun-de verleitet, sich nach und nach einigen Ausschweifungen überlief,die seine älteren, kaltblütigen Beschützer ihm höher angerechnetzu habe» scheinen, als eigentlich billig war- Daher wurden seinemWunsche, «ine Professur in Wittenberg zu erhalten, allenthalbenHindernisse in den Weg gelegt. Aber, was ihm den größte»Schaden that, war seine -Z3Z herausgegebene Sammlung vonEpigrammen. Es mochte ihn nicht geahnet haben, daß ein,seiner Meinung nach, so unschuldiges poetisches Spiel selbst solcheMänner von Zorn entflammen und mit Rache beseelen würde, diesich bei weitem größere Jnvectiven gegen Fürsten und Herrenauf Cathedern und Kanzeln erlaubten. Er setzte daher unbedenk-lich seinen Namen, den Druckort und Verleger auf das Werk undließ dasselbe öffentlich verkaufen. Ein Exemplar fiel Luthern indie Hände und Lemnius war verloren. Abgerechnet nämlich, daßLemnius in dem Werke mehrere Wittenberger persiflirt hatte, warder Cardinal-Erzbischoff Albrecht, dessen bitterer Feind Lutherwar, als ein Beschützer der Gelehrsamkeit gelobt worden. Dießkonnte ihm Luther nicht verzeihen. Lemnius war bereits, dieserSchrift wegen, im Allgemeinen bei der Universität verklagt, abervon Melanchthon, der gerade Rector war, mit einem väterlichenVerweise entlassen worden. Nun aber veranlaßte Luther, welchermit diesem Ausgange des Processes nicht zufrieden war, neue Be-schwerden von den Personen, die sich für angegriffen hielten. Erbewirkte, daß Lemnius Stubenarrest erhielt, alle noch vorhande-nen Exemplare in Beschlag genommen und der Drucker ins Ge-fängniß gesetzt wurde, weil er ohne ConsenS gedruckt hatte. Ja,damit noch nicht zufrieden, wollte man sogar aufgefunden Haben,daß Lemnius auch den Landesherrn angegriffen habe, und dießsollte nämlich durch das Epigramm mit der Überschrift; In Mi-äs---, geschehen seyn. Jetzt sank allen seinen Freunden, die lh«vorhin in Schutz zu nehmen versprochen hatten, der Muth, undJedermann rieth ihm, sich durch die Flucht zu retten. Lange wider-