Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
Seite
664
JPEG-Download
 

664 LemureS Lenclos

seit den.ältesten Zeiten für ein sicheres Gegengift gehalten, und ^als solches von den Priestern Vulkans unter einer feierlichen Pro- !zession ausgegraben und jedes Stück davon mit einem Siegel be- !zeichnet wurde, so wie es auch noch jetzt von den griechischen Prie- !stern geschieht. Die erwähnte Heilkraft dieser Erde ist in neuern !Zeiten sehr in Zweifel gezogen worden. i

Lemures dMnnine i^^rvns) waren die Seelen der Verstor-benen , und zwar diejenigen, welche man für schädlich hielt. Sie ^erschienen in der Nacht, daher ihnen auch der Beiname der nächt-lichen oder der schwarzen gegeben wurde. Um sie aus dem Haustzu verbannen, feierte man in den Rächten des 9., 11. und iz.Mai's ein besonderes Fest, welches nach ihnen Lemurien (l-e-murin, I^einui-alia, kkernuria) hieß. Die Ceremonien bei diesemFeste waren folgende: Um Mitternacht, wenn alles schlief, standder Hausherr auf und ging barfuß, leise und stillschweigend zueinem Brunnen. Durch ein Schnippchen, welches er eben so still-schweigend schlug, wehrte er die Schatten zurück. Am Brunnenwusch er sich die Hände, ging wieder zurück, nahm schwarze Boh-nen in den Mund und warf solche, ohne sich umzusehen, neunmalüber den Kaps hinter sich , indem er jedesmal dabei die Worteaussprach: Ikaec: ego niirto; bis kAbis ins iiieasgiis reäimo(dies sey für euch; mit diesen Bohnen erkaufe ich mich und dieAlleinigen zurück). -Darauf wusch er sich nochmals die Hände,schlug an ein kupfernes, hohles Gefäß und sagte dabei neunmalmit bittendem Tone: iVIaiies, exaivs, xavsrni (zieht von bannen, ,ihr Seelen meiner Vorfahren)! Nun sah er sich um, und dieFeier war vollendet. Man glaubte^ die Geister kämen und sam-melten die Bohnen auf.

Lenclos (Anne, genannt Ni no n von) wurde im I. 161zzu Paris von adeligen Eltern geboren. Ihre Mutter wollte eineBetschwester aus ihr machen; von ihrem Bater hingegen erbtesie die Liebe zu den Vergnügungen, und diesem folgte sie dahermehr, als ihrer Mutter. 'Beide aber verlor sie bereits im iztenJahre. Schon in so früher Jugend ihrem Schicksale überlassen,bildete sie sich durch sich selbst, und entwickelte ihren Geist durchdas 'Ltudium der Werke Montaigne's und Charron's, denen sieschon vom roten Jahre an Geschmack abgewonnen hatte. Schondamals ward sie in Paris ihres Witzes und Scharfsinns wegenberühmt. Als sie einstens gefährlich krank war und viele ihrerBekannten um sich versamelt sah, die sie beklagten, daß sie sofrüh sterben sollte; sagte sie: „Warum beklagt ihr mich? Hinter-lasse ich den» in euch nicht auch Sterbende?" Eifrig bemühet«sie sich von nun an, ihren Geist auszubilden und ihre Talente zuvervollkommnen; sie war musikalisch, spielte das Clavier uud meh-rere andere Instrumente meisterhaft, sang mit Geschmack undtanzte mit großer Annehmlichkeit. Sie pflegte zu sagen, Schön-heit ohne Grazie sey eine Fischangel ohne Lockspeise. Mit solchenVollkommenheiten ausgestattet, war es ganz natürlich, daß sieweder an Liebhabern noch an Ehelustjgen Mangel hatte. Dochwidersetzte sich ihre Liebe zur Unabhängigkeit jeder ernsteren Ver-bindung ; wahrscheinlich zog sie hicdei die Freiheit in der Liebedem Zzvange vor, den der Ehestand auferlegte. Um gänzlich un-gebunden zu seyn, that sie ihr Vermögen auf Leibrenten aus, und,lebte von diesen mit Sparsamkeit und doch mit Anstand; ihr Ein-

korn

eine

vorl

den

Ha:

ihr

die

tre>

beti

jun

ohn

Ali

dell

Nie

an

Ge

Sii

dai

od«

un

bec

!iä

ge!

W

Ei

R>

da

Ai

sch

B

ni

ge

IN

te

M

so

ke

si

a

x

rk

N

«

d

li

U

Z

e

s

s'

s

r