8>8 . Ludwig XVI.
Ludwig XVI., Ludwigs XV. Enkel, zweiter Sohn des Dau> schaßphin, geboren den -Z. Aug. 17S4, vermählt 1770 mit Maria An xhei!tonia von Oesterreich; guill. den 21. Jan. 1793. Mit dem beste, groß«Willen, aber völlig unerfahren in Regicrungsgesthäfften, b-stüz prividieser unglückliche Fürst in einem Alter von kaum -o Jahren im „igteThron, auf welchen ihn schon längst der Wunsch der Ration rief AdelSie gab ihm den Beinamen des Ersehnten, le äesir-6, welche« Mauseine Bescheidenheit ablehnte. Sein Großvater hatte ihn nach dem undTode des Dauphin im I. 176S, absichtlich von Allem, was sich aus inehrseine Bestimmung bezog, entfernt gehalten; und die Gräfin Dü- »esLarri sucht« sich an der Verachtung, welche der ernste, sittlichst«»- Krie-ge junge Prinz, der seine von ihr gehaßte Gemahlin innig liebte, Türgihr bewies, dadurch zu rächen, daß sie ihn in den Augen des Ki- ?henmigs lächerlich machte. Auch die Minister ließen insgeheim die Meß Helnung, daß der Prinz hart und rauh und weit entfernt von d« Mirnachsichtigen Güte seines Großvaters sey, verbreiten. Sein Aeuße- samn«s schien dieß zu bestätigen. Er war gewöhnlich in sich gekehrt, den >still und verlegen; er wagte nicht die Gefühle seines Wohlwolle»- gebivlaut werden zu lassen. Seine Blödigkeit galt für Mißtrauen. Ei Parl
fühlte sich in der That fremd an einem Hofe, wo das Laster unter des.
tausend glänzenden Formen ihn umgab. Schmeichelei haftete nicht gensi-an ihm; er wurde daher bald den Hofleuten gleichgültig. Der Düc schaß
de Choiseul sagte daher mit Recht von ihm: auf dem schönste» reite«
Throne der Erde war Er der einzige König, der nicht nur keim mit
Schmeichler hatte, sondern dem man auch nicht die geringste Gerech- zu b
tigkeit wiederfahren ließ. In seinem Gesicht, das nicht ohne Würde gegeiwar, drückten sich die Grundzüge seines Charakters aus: Redlichkeit ohneund Unentschlvssenheit. Aber, was ihm am meisten in der Meinung tcnder Franzosen schadete, seine Haltung hatte nichts von der Anmuth, der I«welche fast alle Prinzen von Geblüt besaßen. Nur im Vertraue» die l
sagte er, öfter als man geglaubt hat, ein sinnreiches, treffende- den -
Wort; erröthete aber, wenn man es wiederholte. Fassungskraft, wieFleiß und ein außerordentliches Gedächtniß erleichterten ihm sei« sinneStudien; aber leider! betrafen sie nicht unmittelbar die Pflichten haßt,und Kenntnisse eines Fürsten; er beschäfftigte sich zu sorgfältig »ck gotsdem Besondern und Kleinlichen. So machte er sich durch eigene M- manbung mit nützlichen Künsten vertraut. Er druckte z. B. im I. 17K, »achals Dauphin in s 5 Exempl. Vlsximes iriorales et xoliriguer, ti- sii.rseo <ie 'I'ölernsgus, irnpriniöes par Xonir-LuKurie Üaupllm Ma!Vet'oailleo, äe 1 'iinpriirierie äs RlonseiAneur Is Uaupbin. Ek gemehatte die Maximen aus Fenelvns Werk selbst gezogen. Er konnte Unorüber geographische oder chronologische Kleinigkeiten mit Gelehrten erschjsich gut unterhalten: aber das Pragmatische der Geschichte, wodurch der <sie Könige warnend belehrt, war ihm fremd geblieben. Aufrichtig undfromm und duldsam neigte er sich, obgleich im Mißtrauen gegen die FranPhilosophen aufgewachsen, zu einer den Menschen und Völkern w»hl> te» swollenden Philosophie hin. Die Lugenden seines Vaters, die stille WilleHäuslichkeit seiner Mutter, hatten ihm tief einen sittlich - religiöse» WerSinn eingeprägt. Doch sein Beispiel sollt« zeigen, wie unzureichend Geschauf dem Throne die Tugenden eines Privatmanns sind. Er wählte zuregden Grafen Maurepas, einen Mann von Geist und Erfahrung, mt 1der aber frivol dachte und in Epigrammen glänzen wollte, zu sei- f>»e«nem Staatsnnnister; an des verrufenen Abb^ Terrai Stelle über- stand-trug er haS Finanzwesen dem aufgeklärten, genialischen und recht- Freu!