Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
Seite
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8ro Ludwig XU

Feind war» der öffentlichen Stimm«. Ihr vermochte der Kömnicht zu widerstehen. Er wankte; das Deficit, welches die Beza-flung der Schulden und die Krönungskostcn im I. 177S, hervorbrachten, flößte ihm Mißtrauen gegen Türgots philosophische Aosichten ein. Malesherbes nahm seinen Abschied; Türgot mußte ih 1nehmen. Die Privilegirten hatten gesiegt; aber der Haß des drir.tcn Standes und die Sehnsucht aller Hellsehenden und Wohlrneimmden »ach einer durchgreifenden Reform wurde nur um so größer.Doch wollten sie keinen Umsturz des Ganzen; ihre kühnsten Wüx,sche blieben innerhalb der Schranken einer monarchischen Form, bisder nordamcricanische Freiheitskrieg den Zündstoff in diese brennbare Masse warf. Der Lag, wo Ludwig XVI. das Bündniß in;den nordamericanischen Staaten schloß, den 6. Fedr. »778, b-stimmte sein Schicksal; denn der hieraus entstandene Krieg vo>1778 bis 1782 welcher Frankreich nach Audouin, 1400 Will. Livrc,gekostet hat, führte ein unheilbares Deficit, dieses die allgemeine Ständeversammlung, diese aber den Fall oe-Monarchen und der Monarchie herbei. Nach Türgots Entfeinung nahm die Verschwendung bei Hofe zu; während Ludwig si>jede große Ausgabe versagte, bewilligte er sie nur zu leicht der Ktnigin, und den Prinzen des Hauses. Er bezahlte die Schulden duGrasen ArtoiS. Luxus und Pracht machten die verschiedenen HofHaltungen überaus kostbar. Man spielte hoch; man baute; niaohielt Wettrennen; man befriedigte jeden Einfall, und LudwigsMißbilligung, der sich oft diesen Festen entzog, galt für das ZUchen gemeiner Gesinnung. Die Regelmäßigkeit seiner Lebensweis«.wo Studien und häusliche Freuden mit ernsten Geschäfften wechse!ten, machte auf die fröhlichen Verschwender keinen Eindruck. Derarme Ludwig wußte nicht dem Hofe und den Prinzen zu imponiere,Die Königin überließ sich ihrem fröhlichen Sinne. Geschmack unsKunstsinn herrschten in den Festen von Versailles und Klcin-Tri«non: aber zugleich unterwarf die Mode alles ihren Launen. Mau-repas durchschaute entweder nicht, wohin das Alles führen mußte,oder er fügte sich mit egoistischem Leichtsinn in die Nothwendigkeit.Das Vergnügen war ja auch sein Element. Cr blieb dirigirenderMinister bis an seinen Tod, den 21. Nov. 1781; doch theilte er dasVertrauen Ludwigs mit der geistvollen Königin, und mit jedem,der den Monarchen durch Vorspiegelungen von Gemeinwohl zu täu-schen vermochte. Der Wechsel mit den Finanzministern, Elugny,Laboureau, Stecker, Joly de Fleury und d'Ormessouvermehrte die Verwirrung allgemein; anerkannt war das Daseyngroßer Mißbräuche; aber eben so unmöglich das Ausreisten ihrerliefen Wurzel. Die Verabschiedung Steckers, dem sein stolzercomxte renäu Haß und Verfolgung zugezogen hatte, ward vomTiers Etat, um dessen Gunst Stecker buhlte, als ein öffentlichesUnglück betrachtet. So herrschte in der öffentlichen Meinung längstvor der Revolution eine wahre Anarchie, die selbst bis in denStaatsrath drang. Nach dem Frieden von Versailles 17I?, dereinige Vortheile brachte, die,aber den Aufwand nicht ausgewogen,»ard der höchst leichtsinnige, -viel versprechende und wenig leistendeSalonne Finanzminister. Doch behauptete Vergcnnes in denauswärtigen Verhältnissen, z. B. im Scheldcstrcite die Ehre derfranzösischen Krone; indeß wird der Handelstractat, den er im 3 -mit England «bschlsß; als der größte Fehler seiner Staate-