Ludwig XVI. 8rr
mrwaltung betrachtet, ob er gleich eine Folge der geheimen Bedin-gungen des Tractats von Versailles war. Auch macht man ihmden Vorwarf, daß er die von Joseph II. angebotene vortheilhasteengere Verbindung nicht annahm, und dadurch Oesterreichs Annähe-rung an Rußland veranlaßte. Ludwig XVl. aber verrieth eine ge,fihrliche Schwäche, daß er Minister, deren Plan er anfangs guthieß, vor deren Ausführung entließ; und das Volk sagte öffentlich:„man hat unsern guten König betrogen, man wird ihn immer be-wögen: was wird aus ihm werden?" Man erzählt, er habe zu-weilen seine Rebenstunden mit Schlofferarbeit ausgefüllt, und seydabei zum Genuß von starken Getränken verleitet worden. Dießund die Arbeit bei'm Feuer hätten sein Blut zu sehr erhitzt undseine Ueberlegung geschwächt, späterhin aber hätte seine natürlicheIndolenz, bei seiner zunehmenden Körperstärke, die selbstfländigeKraft und freie Thätigkeit seines Geistes gehindert, und eine phleg-matische Gleichgültigkeit erzeugt. Allein man weiß auch , daß sichLudwig gern wissenschaftlich beschäfftigte, und gemeinnützige Unter-«ehmungen mit thätiger Liebe und Einsicht betrieb. Er entwarfmit vieler Einsicht den Plan und die Instruktion für la Perousezu einer Reise um die Welt, im I. 1786. Mehrere Stellen in letz-terer sprechen auf eine rührende Art den wohlwollenden Sinn diesesarglosen Fürsten aus. Er beklagte das unglückliche Schicksal dieserSeefahrers oft mit den Worten: ,,Jch sehe zu wohl, daß ich nichtglücklich bin." Sein Wohlwollen machte ihn besonders für die är-mern Geistlichen besorgt; doch befolgte auch er den Grundsatz Lud-wigs LV, Bisthäme« und reiche Pfründen keinem aus dem Bür-gerstande zu geben. Eine eben so unbillige und weit nachtheiligereScheidungslinie zog er bei der Armee, wo er die militärischen Gra-de ausschließend dem Adel bestimmte. Der dritte Stand mußteschweigen; aber desto bitterer, schadenfroher und leidenschaftlichererklärte sich die Menge ohne Scheu über den Hof und die HähernStände, als der berüchtigte Halsbandprozeß gegen den CardinalPrinzen von Roh an den i 5 . Aug. 178S seinen Anfang nahm. Dasschändliche Libell der gebrandmarkten Gräfin de la Mvthe und ihresMannes streute die gröbsten Berläumdungen gegen die unschuldigeKönigin aus, dir von dem erbitterten Volke nur zu leichtgläubigaufgefaßt wurden. Der Thron wurde durch diesen Vorfall herabge-würdigt, und man glaubt, daß schon damals der unversöhnlicheFeind der Königin, der Herzog von Orleans, die verächtlichela Mothe als ein Werkzeug seines Haffes benutzt habe. In dieserGLhrung der öffentlichen Meinung, wagte es Calonne, die No»tabeln zu berufen. Seine Scheingründe überredeten den furchtsamKönig zu einem so kühnen Schritte^ Die heimlichen Republikanertriumphieren, daß die Verlegenheiten des Schatzes das königlicheAnsehen immer mehr herabsetzten. Zum Unglück starb der vielgeach,tete Graf von Vergennes, den iZ. Fcbr. 1787; und den 22. Febr.eröffnete der König die Versammlung mit einer Rede, die auf dieGemüther nicht vortheilhaft wirkte. Das Wort Deficit (derGencräl-Controlleur hatte es zu 112 Will. angegeben; man schätztees aber auf mehr als 140 Mrll) machte die Pläne des leichtsinnige»verschwenderischen Ealonne verdächtig. Es bildete sich eine Opposi-tion, und Calonne erhielt den Abschied. Das Parlement machteVorstellungen gegen zwei neue Auflagen (tiindre en Subventionterritoriale-) und verlangte die Jusammenberufung der Reichsstände.