Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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kett zu verdienen, an der er oft gezweifelt hatte. Er trat widerden väterlichen Willen i 5 c >5 ins Augustincrkloster zu Erfurt undunterwarf sich mit schweigender Geduld allen den Wüstungen undErniedrigungen, die die Ordensobern den Novizen auflegen. Do-bei glaubte er immer noch nicht genug zu thun; unschuldig undunverdorben, wie Wenige, quälte er sich selbst mit den schrecklich-sten Borwürfen und fiel in eine schwere Krankheit, in der ei»alter Ordensbruder sein geangstigtes Gewissen beruhigte und ihnauf die Vergebung der Sünden durch den Glauben an Jesum Chri-stum verwies. Diese damals über dem Dringen des Klerus aufsogenannte gute Werke und dem Handel der Kirche mit Ablast undZndulgcnzen beinahe vergessene christliche Lehr«, brachte neues Lichtund Leben in Luthers Seele, und die väterliche Milde, mit derStaupitz, sein Ordensprovinzial, seine hervorstechenden Talenteund Kenntnisse anerkannte, ihn von allen niedrigen Diensten fürdas Kloster befreite und zur Fortsetzung seiner theologischen Stu-dien aufmunterte, weckte sein Selbstgefühl. Er erhielt 1607 dirPriesterweihe und das Jahr darauf durch seinen Gönner Stäupstden Ruf als Professor der Philosophie nach Wittenberg. Schnei!entwickelte sich in diesem neuen Wirkungskreise sein großes Genie.Ohne zu ahnden, welche Erfolge er sich dadurch vorbereitete, warfer die Fesseln der mit dem hierarchischen System des römischenStuhles innig verwachsenen scholastischen Philosophie, deren er wiewenige mächtig war, von sich ab, machte die Rechte des gesunde»Verstandes geltend und sammelte bald taufende, von Schülern undBewunderern um seinen Lehrstuhl. Eine Reise, die er 1S10 i»Angelegenheiten seines Ordens, welcher ihm späterhin die Revisionder thüringischen Augustinerklöstcr übertrug, nach Rom unternahm,enthüllte das Scandal der Irreligiosität und Stttenlosigkeit desröm. Klerus vor seinen Augen und befreite ihn von der gewohnte»Scheu vor der päpstlichen Heiligkeit. Nach seinerZurückkunft nahmer ein Predigtamt in Wittenberg an, und wurde 1612 Doctor derTheologie, eine Würde, deren Eid ihn nach seinem Glauben zurunerschrockensten Vertheidigung der heiligen Schrift verpflichtete.Seine gründliche Gelehrsamkeit, die die alten Claffiker wie dieKirchenväter umfaßte und in den Geist der griechischen und he-bräischen Sprache eindrang, und der Ruf seines geistvollen Ver-trags machte ihn bald den größten Gelehrten seiner Zeit bekanntund als einen kräftigen Beförderer des Lichtes der neu eindrin-genden, wissenschaftlichen Aufklärung werth. Um so mehr mußteder entscheidende Schritt, den er den 3 i. Lct. 1617 durch den An-schlag von Z 5 Sätzen gegen den Ablaßkram des DominicanersTetzel vor den Augen von ganz Deutschland that, Aufsehen er-regen. Luthern trieb nichts dazu, als die Liebe zur Wahrheitund der Unwille über das öffentliche Aergerniß des Ablaßhandels,dessen verderbliche Wirkungen sich schon bei seiner Gemeinde zuWittenberg äußerten. Ehrgeiz oder Ordensneid gegen die Donn-nicaner hatte, wie fetzt erwiesen ist, keinen Antheil an diesenSätzen. Sie wurden jedoch eben so schnell verketzert als verbrei-tet, der Dominiianer Hogstraaten zu Kölln, Dr. Eck zuqolstadt und Prier-iaS, ei» Official des römischen Hofes, grif-fen Luther» mit Streitschriften an, aber weder ihre Schmähun-gen, noch die Citation des Papstes nach Rom, der er nicht folgte,noch die glimpfliche-rey Unterredungen, die der Cardinal Cazetan

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