8Z2 Luther
Theilnahme feinet Partei am Concilium zu Trident. Die Schärf,und Heftigkeit des Tones, in dem er seinen Glauben,verfocht,schmälert keinesweges das Verdienst seiner Beharrlichkeit, und be-weisen auch die Persönlichkeiten, die er sich bisweilen wider sein,Gegner erlaubte, daß er sich nicht ungeahndet beleidigen "ließ, s«darf man doch nur an die herrschende Denk - und Sprechart sein«Zeitalters, an die Natur seines Unternehmens, das ohne Kampsund Streit gar nicht von Statten gehen konnte, an die Einflüste-rungen der Zuträger und Aufhetzer, von denen er, wie jeder groß«Mann, umgeben war, an die Kränklichkeit, die ihn nicht seltenverstimmte und an seine lebhafte, alles leicht ins Ungeheure tcei--ende Phantasie denken, um die Rauhhcit seiner Aeußerungen ver-zeihlich zu finden. Eben so erklären sich die Schreckbilder teufli-scher Anfechtungen, die ihn oft mehr beunruhigten, als mit seinemgesunden Verstände verträglich schien; denn der Teufel war jenemZeitalter eine wirkliche Person, ein immer geschäfftiges böses Prin-cip und wer sich der Sache Gottes widmete, mußte den Angriffendes Teufels nothwendig überall begegnen. Genug, daß Luther di,^Kraft hatte, es mit dem Teufel aufzunehmen: „Ich bin dazu ge,voren," sagt er selbst, „daß ich mit Rotten und Teufeln muß krie-gen und zu Felde liegen, darum meiner Bücher viele stürmisch undkriegerisch sind. Ich muß die Klötze und Steine ausrotten, Dor-nen und Hecken weghauen, Pfützen ausfüllen, Bahn machen undzurichten; aber Philippus (Melanchthon) fährt säuberlich und stilldaher, bauet und pflanzet, säet und begeußt mit Lust, nachdemihm Gott seine Gaben reichlich gegeben hat. Soll ich aber einenFehl haben, so ist es mir lieber, daß ich zu hart rede und dieWahrheit zu heftig herausstoßs, denn daß ich irgend einmal heu-chelte und die Wahrheit inne behielte/' Mit Recht konnte er sichdieß rühmliche Zeugniß geben; daß er ohne Falsch und überall ehr-lich zu Werke gehe, mußten ihm auch seine Feinde zugestehen. Beikeinem Manne war der Grundcharakter des deutschen Gemüths,Geradheit, Treue und Redlichkeit, herrlicher entwickelt und offenerdargelegt; er scheute sich eben so wenig, seine Schwachen zu ge-stehen als die FehlerAndrer zu züchtigen, und neben diesen Schwä-chen, mit welchen milden, liebenswürdigen Eigenschaften war dieüberlegene Kraft und Größe seines Geistes vereinigt. Man er-staunt über die unermüdete Thätigkeit, mit der er nach allen Sei-ten hinwirkte — das Werk der Bibelübersetzung, schwer und weit-umfassend genug, um ein ganzes Leben zu beschäfftigen, brachte ervon iSar bis 54 völlig zu Stande und schon darum würde seinName unter den Lehrern der Ration unsterblich seyn; dabei aberkam er durch die Menge seiner Abhandlungen über die wichtigstenGegenstände des Glaubens, den fruchtbarsten Schriftstellern allerZeiten gleich und übertraf an Geist und Gehalt die Meisten; sturS,2 predigte er in jeder Woche mehrcremale, ja in gewissen Pe-rioden täglich, verwaltete das geistliche Amt im Beichtstühle i»i>am Altare, besorgte die Angelegenheiten seines Ordens und Kü-sters, das ihn sogar zu ökonomischen Geschäfftcn braucht«, führ«eine auf Gegenstände aller Art ausgebreitete lateinische und delir-sche Correspondcnz mit Großen, Gelehrten und Freunden, und noyist die Menge seiner Briefe, deren immer mehrere auf-efunoc»werden, nicht gezählt, aber in allen sein Genie und sein edles P"!— und mitten in diesem Dränge von Arbeiten, die ihm taguy