856 Lüxembourg
mit als Sieger in Paris einzuziehn. — Nach dem Frieden ist ein ' duTheil auf seinen Wunsch entlassen worden, ein andrer steht noch laam Rhein (Dec. 1314). !o
Lüxembourg (Franoois - Henri von Montmorency, Herzog qevon), Marschall von Frankreich, der Sohn des berüchtigten Gra- . seifen Boutteville, der unter Ludwig XHI. eines Duells wegen hin- sogerichtet wurde, ward am 8- Jan. 1628 geboren. Dem großen ar-Conde, dessen Schüler er war, und unter welchem er 164Z der Ba- seitaille von Rocroi beiwohnte, blieb er in dessen guten und bösen u?-Ereignissen stets treu. Schon bei der Eroberung der Franche- ihEomts im I. 1668 zeigte sich das glänzende Genie Lüxdmbourgs, geder hier als Generallieutcnant commandirte. In Holland, ws er wLas Oberkommando führte, eroberte er in dem Kriege von 1672die holländischen Festungen und schlug die Armee der Gcneralstaa- G1e, bei Bodcgrave und Wocrden. In diesem'Feldzuge hatte er zu- ni
gleich Gelegenheit, den berühmten Rückzug, dem selbst die Hvllau- n>
der ihre Bewunderung nicht versagen konnten, zu machen; er ging w
nämlich mit einer Armee von 20,000 Mann durch eine feindliche m
von 70,000, ohne daß ihm diese etwas anzuhaben vermochte. Nach-dem er dem zweiten Feldzuge in derFranche-Eomtö mit beigewohnt chhatte, befand er sich hernach bei der Schlacht von Senef, nöthigte ni
den Prinzen von Oranien, die Belagerung von Charleroi aufzu- ti
heben und erhielt endlich »678 den Marschallsstab. Jetzt befch- siligte er, nach Türcnne's Tode, einen Theil der französ. Armee,. Fwar aber anfangs nicht sehr glücklich, denn er ließ vor seine» Au- d>gen Philippsburg nehmen und versuchte vergebens, mit einer Ar- n
mce von So,«00 Mann der Stadt zu Hülfe zu kommen. Glückli- ff
cher war er jedoch gegen den Prinzen Wilhelm von Oranien, von S
dem er sich »»vermuthet überfallen sah, den er aber mit Erfolg z>
zurückschlug. Km I. 1K90 gewann er darauf die berühmte Ba- gtaille von Klerus in Flandern, welcher Sieg, nach der einstimmi- dgen Aussage aller französ. Officjere, einzig und allein dem über-wiegenden Talente Lürembourgs zugeschrieben werden mußte. Aus d
diese Schlacht folgte die von Leuse, welche er im folgenden Jahre ;
ebenfalls gewann. Am ruhmwürdigsten für ihn war jedoch die i
Schlacht bei Gteinkirchen, wo er, von einer falschen Nachricht hin- z
tergangen, im Schlafe überfallen wurde, aber nichts destowenigcr ?
Lurch feine eben so glücklichen als künstlichen Bewegungen dem s
Feinde die errungenen Vortheile aus den Handen zu reißen wußte, g
und kurz darauf, i6Z5, den König Wilhelm bei Neerwinden gänz- v
lich aufs Haupt schlug. Bon den in diesem mörderischen Treffen r
genommenen Fahnen ward die Kirche von Notrc - Dame zu Paris -
fast ganz angefüllt. Als Lüxembourg sich kurz darauf nach Paris l
begeben hatte, um einer Festlichkeit, welche in dieser Kirche gege- r
den werden sollte, beizuwohnen, rief der Prinz Conti, der bem f
Marschall begleitete, der Menge zu, welche die Thür besetzt hielt: i
„Meine Herren, lassen Sie doch den Tapezierer von Rotre-Dame i
paffiren." Lüxembourg endigte seine so glorreiche militärische Laus- f
bahn durch den langen und beschwerlichen Marsch, den er Ange- f
sichts der Feinde von Bignamont bis zur Scheide nahe bei Lournay -
machte. So berühmt, wie die Siege dieses großen Feldherrn sind, i
so merkwürdig ist der sonderbare Prozeß, in welchen er verwickelt i
wurde. Man beschuldigre ihn nämlich, an der bekannten Bergif- !
tungsgcschjchte Theil genommen zu haben und warf ihn r68o m I