Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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860 LycurguS

jüngste Sohn des spartanischen König- Eunomus und der Die.naffa, aus dein Geschlechte der Procliben oder Eurytionjdc» (s. La-cedämon). Sein älterer Bruder PolydccteS folgte dein Vaterin der Regierung, starb aber bald, und hinterließ also das König-reich te!» -dycurgus. Aber bald darauf ward bekannt, daß die hin-terlassene Gemahlin des Polydcctes schwanger sey. Als dieß Ly-kurg erfuhr, erllZrte er, daß, wenn sie einen Thronerben gebärenwurde, er der erste seyn wolle , welcher ihn als seinen König an-erkennte. Um die Lacedämonicr von der Aufrichtigkeit seiner Ge,stnnungen zu überzeugen, legte er den königlichen Titel ab und ver-waltete da« Reich nur als Vormund des künftigen Kömgsfohns.Indessen ließ ihm die Königin sagen, daß, wenn er ihr verspräche,sie zu heirathcn, sie ohne Anstand ihr Kind tödten wolle. Um dieseThat zu verhindern, schmeichelte er ihr mit falschen Hoffnungen,und ivard dadurch, nachdem sie mit einem Sohne niedergekommenwar, in den Stand gesetzt, das Leben desselben zu erhallen. Da sichdas Volk über dieses Ercigniß freuetc-, so gab er dem Kinde denNamen Eharilaus (die Freude de« Volks). Lycurgus hatte schondurch die Weisheit seiner Staatsverwaltung sich allgemeine Hoch-achtung erworben-, diese Handluyg der erhabensten Uneigennützigkeithob ihn nun auf den Höchsten Gipfel des Ruhms, weckte aber auchden Neid vieler vornehmer Spartaner gegen ihn auf. An die Spitzederselben stellte sich die Königin, welche von Rache gegen Lycurgentbrannt war, weil er sie getäuscht und ihr so die Hoffnung, Kö-nigin zu werden, benommen batte. Sie streute unter dem Volkeaus, es sey gefährlich, das Leben des künftigen Thronerben einemManne anzuvertrauen, welchem aus dem Tode desselben der größteVortheil erwachsen könnte. Um diesem entehrenden Verdachte zuentgehen, sah sich Lycurg genöthigt, nicht allein die Vormundschaftdes jungen Königs niederzulegen, und diesen selbst seiger Aufsicht zuentlassen, sondern sogar Lacedämon zu verlassen. Ob ein solcherEntschluß nicht auch von der Begierde, fremde Nationen und ihreSitten und Gebräuche kennen zu lernen, geleitet wurde, ist unbe-kannt: er nützte wenigstens seine Reiten zu diesem Endzwecke. Zu-erst besuchte er Creta, woselbst die weisen Gesetze de« Minos, dieallenthalben Eintracht und bürgerliches Glück unter den Einwoh-nern bewirkten, seine ganze Aufmerksamkeit auf sich zogen. Dortlernte er auch den lyrischen Dichter Thales kennen, schloß mit ihm«ne vertraute Freundschaft und lud ihn endlich ein, nach Lacedämonzu gehen, um die Einwohner daselbst durch die Harmonie seinerL'.eder sowol, wie durch deren weisen Inhalt, zur Eintracht undzum Gehorsam zu stimmen. Bon Greta ging Lycurg nach Jonien.Hier machte jedoch die weichliche, luxuriöse BildunL und Ledenefitt«der Ernwohner, und die daraus entspringende Kraftlosigkeit ihr»Gesetze, welche mit der Einfachheit und Strenge der kretischen Ge-setze einen so schneidenden Kontrast bildete, einen sehr nachtheiligmEindruck aus ihn. Dafür aber entschädigte ihn, wie man sagt, dieAuffindung der homerischen Gedichte. Von hier soll er noch meh-rere Reifen, unter andern nach Aegypten, Indien und Spanien, ge>macht haben. Da jedoch in den lycurgischcn Gesetzen auch nicht diegeringste Spur von ägyptischer oder indischer Weisheit zu findenist, so zweifelt man ack der Wahrheit jener Reisen. Während derZeit wurde Lacedämon von neuen Unruhen zerrüttet: die beidenKönige ArchelauS und CharilauS standen bei dem Volke in keiner