Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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86r Lycurgus

abgenommen hatte, baß sie vor seiner Aurückkunft nichts an deneingeführten Gesetzen ändern wollten, reiscte er nach Delphi undfragte den Gott, ob die neuen Gesetze für Sparta's Glück hin-einreichend wären? Die Antwort war: „Sparta wird der blü-hendste Staat bleiben, so lange es diese Gesetze beobachten wird."Diesen Spruch sandte er nach Lacedämon, und nun sprach erüber sich selbst das Urtheil der Verbannung aus. Fern von sei-nem Vaterlande starb er darauf, wie man behauptet, einen frei-willigen Hungertod, nach einigen zu Cirrha, nach andern zu Elisoder zu Creta. Auf seinen Befehl ward sein Körper verbrannt,und die Asche in das Meer gestreuet, damit sie anf diese -Weisenie nach Sparta zurückgebracht, und das dortige Volk sich auskeine Weise des geleisteten Eides für entbunden halten könnte.Es ward ihm zu Ehren zu Sparta ein Tempel gewidmet, undvon seinen Freunden eine Gesellschaft gestiftet, welche noch bis indie spätesten Zeiten Sparta's fortdauerte, und in welcher dasAndenken an seine Lugenden gefeiert wurde. Wir kommen nunauf die besondere Entwickelung der lycurgischcn Gesetzgebung.Der Hauptzweck derselben ging dahin, ein« gemischte ' Regie-rungssorm in Sparta einzuführen, und diese setzte Lycurg ausMonarchie, Aristokratie und Demokratie zusammen, so daß einedurch die andere eingeschränkt wurde, Die beiden Könige und derSenat standen an der Spitze der Regierung; jedoch erhielt dasVolk einen mittelbaren Antheil an der Regierung, indem ihmnämlich, wie schon oben gesagt worden ist, die Freiheit zugestandenwurde, die Beschlüsse der Könige unk des Senats entweder zuverwerfen oder zu genehmigen. Er theilte darauf alle BürgerSparta's in drei, nach andern auch in sechs und mehrere Stäm-me , unb diese wiederum in dreißig Zünfte ein. Mit dieser Ein-richtung hing wahrscheinlich die Polizei- und Rechtsverwaltung, sowie die Anordnung zum Kriegsdienste zusammen. Da übrigensSparta kein roher, wilder, Staat mehr war, sondern die Ein-wohner desselben im Gegentheil schon eine mäßige Stufe vonBildung erstiegen hatten: so muß man billigerweise die Macht de§Willens und des Genies in Lycurg bewundern, der es vermochte,die Spartaner nicht allein bürgerlich, sondern auch moralisch undsittlich gänzlich umzuwandeln, und einem unmäßigen, schwelgeri-schen Wolke Entsagung und Aufopferung bis auf die Nothdurftdes Lebens aufzuerlegen. Sein Vorschlag zur gleichmäßigen Ver-theilung des Eigenthums fand zwar anfangs, wie schon obengesagt, den heftigsten Widerstand, ward ober dessenungeachtet kurzdaraus von allen Bürgern als bestehendes Gesetz genehmigt, wel-ches auch, im Ganzen genommen, bis nach den Zeiten LysanderSdauerte. Als Lycurg Sparta's Verfassung umänderte, fand erbereits unter den Bürgern einen dreifachen Stand vorhanden;die herrschenden Spartancc, die zinsbaren Lacedamonier und dieleibeigenen Heloten (letztere, die alten Einwohner der Stadt He-los, hatten sich schon untek dem zweiten Könige von Sparta,Agis, dem Drucke desselben widersetzt, und waren dafür von ihmzu Leibeigenen des Staats gemacht worden. Ueber ihr Lebenund ihre Freiheit hakte kein einzelner Bürger, sondern im Ge-gentheile der ganze Staat, zu gebieten. Zu ihren Vorzügen ge-hörte, daß sie heirathen dursten, unh daß sie den ihnen zugetheil-ten Acker für einen gewissen Zins, den der Herr, ohne Schimpf