Lyonnet 867
Im I. ist ein Lyceum und eine Secundärschule daselbst er-richtet. Die meisten Einwohner sind Manufacturisren, nnd ver-fertigen eine Menge seidener, goldener und silberner Stoffe, gol-dener und silbener Treffen, Sammt, seidene Strümpfe, Bänder rc.Man rechnete, daß ehemals wöchentlich 200 Ballen Seide, jederz» 1L0 Pfund, in Lyon verbraucht wurden. Nächst Paris wirdauch daselbst der stärkste Buchhandel getrieben. Diese blühendeStadt hat, mehr wie jede andere, durch die Revolution gelitten.Viele Tausende der dortigen Einwohner wurden durch die Jako-biner ermordet; den härtesten Schlag ober verursachte ihr derfast gänzliche Stillstand ihrer Manufakturen, und zum Theilauch die Vernichtung der künstlichen Maschinen. Sie fängt an,sich. wieder zu erholen. In den I. 1725 — 1759 waren daselbst3o,ooo Wederstühle vorhanden, kurz vor der Revolurion nochiS,ono, und im I. 1788 beschäffligte» nur noch 9356 Stühle58,600 Menschen; im I. 180z standen sogar von 7000 dergleichen5447 gänzlich still. Die große Fabrik von gewalkten Hüten,welche täglich 8 — 10,000 Hüte verfertigte, beschäfftigte ehemals8000 Menschen, jetzt nur noch 150a; ehemals brauchte man gegen1-,000 Ballen Selbe, jetzt nur noch 4000. Jetzt ist besonders dieFabrication der seidenen ShawlS ein wichtiger Zweig für Lyongeworden.
Lyonnet (Pierre) ward am 22. Jul. 1707 zu Mastricht ge-boren, und stammte aus einer französischen Priesterfamilie, welchedurch religiöse Verfolgungen aus Lothringen vertrieben wordenwar. Lyonnet zeichnete sich nicht allein durch eine »»gemeineKenntniß der Sprachen aus (von denen er Latein, Griechisch, He-bräisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Deutsch, Englisch undHolländisch verstand), sondern er hatte auch in den bildenden Kün-sten, in Musik, Malerei, Kupferstecher- und Bildhauerkunst, gro-ße Fortschritte gemacht. Man hat noch jetzt ein Meisterstück vonihm, ein Basrelief in Buxbaum, welches Apollo und die neunMusen vorstellt. Für die Kirche bestimmt, änderte er seinenStudirplan untz widmete sich der Recht-gelehrsamkeit. Nachdemer einige Zeit als Advocat practisirt halte, ward er zu einem derStaatssekretäre Hollands erwählt und zum geschwornen Uebersetzerfür die französische und lateinische Sprache. Von jetzt an zeichnetesich bei ihm ein leidenschaftlicher Hang für Naturgeschichte aus,besonders für Insektenkunde. Zuerst beschrieb er die Insektenwelche sich in der Nähe vom Haag befanden; dann machte er eineMuschelsammlung, welche die reichste in Europa ward. Unterseinen naturhistorischen Werken zeichnet sich insbesondere aus:Prsitä ansiaiwigue äs In clienills gui ronKs In raule (ana-tomische Abhandlung über die Weidenraupe), 1764, welches Werknicht allein durch seine Originalität, sondern auch durch diePracht des Druckes in Erstaunen setzt; ckli-toiro äes pnlg-xosll'enu ckoucs (Geschichte der Polypen der süßen Gewässer), welcheer in Vereinigung mit Trembley herausgab, der seinem Mitar-beiter in der Vorrede die größten Lobsprüche ertheilte. Nochzeichnet sich dieses Werk dadurch aus, daß Lyonnet, der bis dahindie Aupserstecherkunft noch gar nicht ausgeübt hatte, die acht letz-ten Platten zu demselben gestochen hat, die den fünf ersten vonWandelaar durchaus nichts nachgeben. Lyonnet starb im Haagam 10. Jan. 1789 im Listen Jahre seines Alters.