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Lyra
Lyra war das älteste besaitete Instrument bei den Ae-gytiern und Griechen. Die Lyra der erster», welche für die äl-teste gehalten wird, soll vom ägyptischen Hermes und zwar auffolgende Weise entdeckt worden seyn. Als der Ril Aegyten «instüberschwemmt hatte und wieder in sein Ufer zurückgetreten war,blieben auf dem Lande eine Menge Thiere liegen, unter andernauch eine Schildkröte, deren Fleisch zum Theil verfault, zum Theilvon der Sonne so vertrocknet war, daß nichts, als die durch dieAustrocknung ausgespannten und dadurch klingend gewordenenSehnen und Spannadcrn unter der Schale übrig geblieben wa-ren. Hermes, der am Ufer spatzieren ging, stieß zufällig mitdem Fuße an die Schale dieser Schildkröte, und wurde durch denKlang so angenehm überrascht, daß er auf den Gedanken gerieth,ein ähnliches Instrument zu verfertigen. Sie hatte anfangs nurdrei Saiten; ihre Gestalt war aber verschieden, denn auch diedreieckige Lyra will man für eine Erfindung der Aegyptier halten.Die Griechen schreiben die Erfindung der Lyra ihrem Hermes, dasheißt, dem Sohne des Jupiter und der Maja, zu, und erzählendie Entstehung derselben etwa auf dieselbe Art. Apollo, dem dieLyra sehr wohl gefiel, kaufte sie von Hermes für die Rinder, diedieser ihm gestohlen und mit deren Sehnen er eine Schilkröten-schale bespannt hatte, und so auf die Erfindung der Lyra ge-kommen war. Als nun Apollo auf dem neuen Instrumente spiel-te, sang Hermes dazu, wodurch jener aufs neue erstaunte. NachEinigen verbesserte der griechische Hermes die Erfindung der Ae-gyptischen Lyra, und sehte dieser eine vierte Saite hinzu. NachÄndern soll Apollo selbst der dreisaitigen ägyptischen Lyra die viertehinzugefügt, und dann das Instrument Cilher genannt haben.Diodorus Siculus erzählt, Apollo habe nach dem Wettstreite mitdem Marsyas, aus Reue über die am letzter» bewiesene Grau-samkeit, die Saiten von seiner Cither abgerissen, und somit dievon ihm erfundene Harmnvie wieder vertilgt. Hierauf hätten dieMusen den Ton Mese, Lirus den Ton Lichanon, Orpheus und Tha-myris die Töne Hypate und Parhypate wieder erfunden, und ausdiesen vier neuen Tönen und der dreisaitigen ägyptischen Lyra seydarauf das Heptachord, oder die siebcnsaitige Lyra der Griechenentstanden. Sonst wird auch ihre Erfindung dem Orpheus, Am-phion, Lcrpandcr und allen denjenigen zugeschrieben, die Verän-derungen damit vornahmen. Die ersten Lyren des ägyptischenund griechischen Hermes waren mit Thierschnen überzogen; dochsoll diejenige, welche Linus vom Apoll erhielt, mit drei Iwirn-saiten bespannt gewesen, und von diesem erst mit Darmsaiten be-spannt worden seyn, für welche Kühnheit er jedoch vom Apoll ge-tidtet wurde. Uebrigcns finden sich über die Anzahl und Ver-mehrung der Saiten auf der Lyra die größten Verschiedenheiten«nd offenbarsten Widersprüche. Nur so viel laßt sich mit Be-stimmtheit angeben, daß die Zahl der Saiten am Ende bis aufeilf vermehrt wurde. Sehr oft wird die Lyra bei den Alten auchCither genannt. Ob sie beide einerlei, oder verschieden von einan-der gewesen sind, hat bis jetzt noch nicht ausgemacht werden kön-nen. Nach Einigen soll die Cither ein, aus mehrern einzelne»Stücken zusammengesetztes Instrument gewesen seyn. Die beidenSeiten desselben waren in der Fotm von Ochscnhörnern gegen ein-ander gekrümmt, s» daß ihr oberes Ende auswärts, das untere