Lysander 871
stehe, des Fuchspelzes bedienen müsse. Seine Politik kannte über-haupt nux zwei Mittel: Gewalt und Betrug. Am Hofe des jünger»Cyrus, wo er sich eine Zeitlang aushielt, ertrug er den empören-den Stolz der asiatischen Satrapen ohne Murren, und gleich daraufliest er die Kriechen die nämliche Verachtung erfahren, welche diePerser ihn hatten erdulden lassen. Sein Hast war unversöhnlich undseine Rache fürchterlich, besonders im Alter, wo sie bei dem ge-ringsten Widerstände in wahre Wuth gcrieth. Einst ließ er acht-hundert Mileter niedermetzeln, die, seinem Eide vertrauend, sichaus ihren Schutzörtern hervorgewagt hatten. Dieser Mann, dessenherrschende und einzige Leidenschaft der Ehrgeiz war, zertrümmertedas mächtige Athen und faßte den Plan, sein Vaterland auf denhöchste» Gipfel zu heben, um dann selbst über dasselbe herrschen zukönnen. Diesen Zweck zu erreichen, suchte er, den SpartanernBundesgenossen zu erwerben, besonders aber, die St-dt Ephesus,deren Hafen zur Aufnahme der spartanischen Flotte besonders geeig-net schien, in Sparta's Interesse zu ziehen. Uebcrdieß bemühete ersich, den jüngern Cyrus für seine Zwecke zu gewinnen und sich ihmdurch erkünstelte Einfalt der Sitten so edel und vaterlandsliebenddarzustellen, daß dieser dem bescheidenen edlen Fremdlinge, dernichts für sich, sondern alles für das Wohl seines Vaterlands bat,mit jugendlicher, verdachtloser Freigebigkeit zehntausend Daricsslieh. Davon erhöhete Lysander den Sold aller Truppen, sowol zuLande, als zu Wasser, und entzog dadurch auf einmal den Athemen,fern eine große Menge Seeleute. Auch suchte er in den von denAthcniensern abgefallenen und nun mit Lacedämon verbundene«Städten die democratische Regierung aufzuheben und entweder diehöchste Gewalt, oder doch wenigstens 'die Verwaltung der öffent-lichen Geschäffte einer kleinen Anzahl ausgesuchter Männer zu über-geben, welche ihn hernach als den Urheber und Erhalter ihresGlücks desto kräftiger mit Gelde und Schiffen unterstützten. Sobrachte er eine Flotte zusammen, womit er die Athenicnser wenig-stens beobachten und einen tollen Anführer derselben schlagen konnte.Dieß war Antiochus, welcher während der Abwesenheit des Alcibia-des einen Theil der atheniensischen Flotte cvmmandirte und welcher,trotz des Verbotes seines weisern Feldherrn, den Lysander zu ei-nem Treffen herausgcfodert hatte. Dieser büßte seinen verwegenenEhrgeiz mit dem Leben, Athen aber mit dem Verluste von fünfzigSchiffen ein. Durch diese und ähnliche Kunstgriffe gelang es ihm,die öffentliche Stimme dergestalt für sich einzunehmen, daß, als ermit dem Ende des Jahrs sein Comizzando niederlegen mußte, alleStädte seinen Abschied beweinten. Prahlerisch sagte er zu feinemNachfolger Callicratidcs, daß er ihm eine siegreiche Flotte überlie-fere, worauf dieser sehr treffend antwortete, er möge mit derselbendoch Samss, wo damals die atheniensische Flotte lag, verbeischif.fen und sie ihm zu Milet übergeben. Nun zeigte sich Lysanders bos-haftes, eigennütziges Gemüth in seiner ganzen Blöße. Denn ermachte nicht nur, zum größten Nachtheile seines Vaterlandes, alleBundesgenossen gegen den neuen Feldherrn aufsässig, sondern wand-te auch das Herz des jüngern Cyrus von demselben ab und sandtesogar das, was er noch von dessen Geldern vorrathig hatte, nachSardes zurück. Als Callicratides die unglückliche Schiacht bei Aegi-nusä gegen Csnon verloren und sein Leben dabei eingebüßt hatte,reriangrm die Spartaner und der jüngere Cyrus aufs dringendste,