3,4 Lysias
Priestern, aus Furcht vor den Folgen, zurück und der ganze Plan Me
Lycurgs scheiterte, ob er gleich erst nach dessen Tode durch das Auf, ein
finden von dessen schriftlichen Entwürfe entdeckt wurde. Run ward wii
Lysander zum Anführer im bSotischen Kriege erwählt, in welchem er ster
jedoch in einem Gefechte desselben von den Feinden erschlagen wurde. Wo
Sein Andenken wurde in Sparta in Ehren gehalten, denn, blind Lil
gegen seine großen und abscheulichen Verbrechen, hielt man ihn bloß gek
deswegen für einen tugendhaften Spartaner, weil er sich selbst niebereichert, sondern immer in ssrenger Armuth gelebt hatte. un
Lysias, ein atheniensischer Redner, lebte zwischen der ach- Bei
zigsten und hundertsten Olympiade. Sein Vater war der Redner c,e
Cephalus, von dem Plato im Anfange seiner Republik eine so vor- mi
treffliche Beschreibung macht. Kurz nach des Vaters Tode kam ha
Lysias bereits in seinem fünfzehnten Jahre nach Thurium in da
Eroßgribchenland, wo er sich von den beiden SyracNsanern, dem dc!
Ricias und Lisias in der Beredsamkeit und Philosophie unterrich- scl
len ließ. Er ließ sich darauf gänzlich in Großgrrechenland nieder bei
und ward endlich durchs Loos mit zur Verwaltung der Republik rri
gezogen, bis man ihn, nach der in Sicilien erlittenen Niederlage Po
der Athenienser, nebst mehrern derselben aus Großgriechenland un
verwies. Als er hierauf nach Athen zurückgekehrt, aber auch durch Ts
die dreißig Tyrannen bald wieder von dort verwiesen war, ging er De
»ach Megara. Bei Wiederherstellung der Freiheit bewies er sich üb
in Athen sehr thätig, indem er einen großen Theil seines Bermö- an
gens für das allgemeine Beste opferte, dafür aber nicht einmal ser
ras Bürgerrecht zu Athen erhalten konnte. Anfangs gab er in l di,der Redekunst Unterricht, sing dann aber an, da er hierin vom ih>
Theodorus übertreffen wurde, Reden zu schreiben, deren er nach ih!
und nach mehr als zweihundert, nach andern sogar vierhundert T!
verfertigte, von denen aber nur zweihundert drei und zwanzig mi
für ächt gehalten wurden. In Rechtshindeln war er nicht bewan- ih
dert, dafür aber ein vortrefflicher Redner, der alle Redner seiner m
Zeit übertraf, sich in allen Arten der Beredsamkeit Ruhm erwarb LI
und nur von wenigen seiner Nachfolger übertroffen werden konnte. du
Insbesondere ist seine scheinbare Leichtigkeit fast unnachahmlich. rei
Dionvsius rühmt die Reinheit, Richtigkeit, Klarheit, Gedrängtheit ih
und Schicklichkeit seines Ausdrucks; seine durch die höchste Kunst zu
natürlich und kunstlos scheinende Wortstellung; seine Kenntniß F>
und lebendige Darstellung der Menschen in ihren natürliche» Ei- er
gcnheiten, vor allen aber seine unbeschreibliche und unnachahmliche I
Anmuth. Nach eben demselben war er in den gerichtlichen Reden Li
am glücklichsten; auch preisen die alten Kritiker die Magerkeit er
i dieß ist ihr Ausdruck) seines scharfen, gewählten, lieblichen und K
kurzen Ausdrucks als ein vollendetes Urbild des nüchternen atti- in
sch/n Styls in der Beredsamkeit. Jene attische Nüchternheit hatte sie
nämlich damals viele Anbeter: man glaubte, wer rauh und trocken vi
rede, wenn er es nur gefeilt und durchgearbeitet thue, der allein ui
rede attisch. Indessen verdient die magere Schreibart des Lysias ih
nicht geradezu Tadel, weil sie den Gegenständen, welche er ab- w
handelte, angemessen war. Der gesunde Geschmack der Athener zr
verbannte mit Recht alle unnütze Pracht und allen unzweckmäßige» al
Schwulst. Uebrigens ist Lysias in den panegyrischen Rede» nach U
dem Urtheile desselben Dionysius ungleich schwächer; seine Absicht, S
erhaben und prächtig zu rebkN, will ihm hier noch des Kritik»« S