8 Macchiavelli
chen DecretS seiner sämmtlichen Wurden zu entsetzen, und in dieDunkelheit des Privatlebens zu verweisen. Bei der Verschwörung ^
des Boscoli und Capponi gegen den Cardinal Giovanni dei Medici '
ward er, der Theilnahme verdächtig, eingekerkert und der Tortur '
unterworfen, welche er mit kaltblütigster Standhaftigkeit ertrug, ^
so wie die darauf folgende Verbannung. Als der Cardinal Papst !
ward, erhielt er die Freiheit wieder; bei seiner Rückkehr in dasVaterland schrieb er die Oiscorsi (Abhandlungen) über die zehn er-sten Bücher des Livius, von welchen wir unken den Inhalt näherangeben werden. Er schrieb auch seinen Princips und dedicirte ihndem Lorenzo von Medici. Dafür von der mächtigen Familie wie-der in Gnaden angenommen, ward er vom Cardinal Julius, derin Leo's X. Namen Florenz verwaltete, über eine angeblich beabsich- itigte Reform der dasigen Angelegenheiten, zu Dämpfung mannich-sacher Unordnungen und Gährungen, als Rathgebcr gebraucht. j
Macchiavelli rieth ein Gleichgewicht der Parteien >
herzustellen und die freie Verfassung wiedcrherzustel- "
len, jedoch mit Vorbehalt der höchsten Obergewalt für !
den Papst. Mit der beabsichtigten Reform war es niemals ein !
Ernst gewesen, und eine neue Verschwörung brach aus, an welcherbesonders mehrere vornehme Jünglinge Theil nahmen, welche sich in >den sogenannten Orti (Gärten) Oricellari zu versammeln pflegten,hier Macchiavelli's Lehren und unterrichtenden Gesprächen beizu-wohnen. Der Verdacht, in welchen hierdurch Macchiavelli abermalsbei den Mediceern kam, hatte für ihn bloß die nachtheilige Folge,daß er in die dunkle Dürftigkeit des Privatlebens zurückkehrenmußte. Jedoch, als Julius unter dem Namen Clemens (rpi. denpäpstlichen Thron bestiegen hatte, erhielt Macchiavelli wieder öf-fentliche Aufträge, und zwar besonders wurde er zu den vereinig-ten Truppen des Papstes und der Florentiner gesendet, um zurVertheidigung Toscana's gegen Carls V. Heer zu wirken. Das zu-letzt von den Mediceern ihm bewiesene Zutrauen hatte ihm die Flo-rentiner abgeneigt gemacht, und so starb er nach seiner Rückkehrnach Florenz den 22. Juni 1527 verkannt und verschmäht. Glei-ches Zeugniß mit seinem Leben legen die Schriften für Macchiavelliab. Seine vorzüglichsten, eigentlich politischen Inhalts, sind dieUisccrsi und der Princips. In beiden (in Hinsicht der gedräng-tern Eleganz des Styls möchte dem Princips der Borzug zu gebenseyn) beweist cr sich als den gründlichsten Kenner der alten Ge-schichte und der Geschichte seiner Lage. Durch beide hat er bewie-sen, daß er wohl der größte Staatsmann aller Zeiten und Völkergewesen ist, d. h. daß er den Charakter jeder öffentlichen Verfas.sung auf das lebendigste durchdrungen hatte und zugleich, mit ein-zig praktischem Geiste begabt, die deutlichsten Einsichten besaß, wiedie glückliche Fortdauer, wie der Untergang jeder Verfassung be-dingt sey. Die lligcorsi sind das Resultat seines Studiums der al-ten Geschichte, der Princips des gleichzeitigen italienischen politi-schen Lebens. Dort ist also über das Wesen freier Verfassungen ge-sprochen, hier von dem des Principato's, denn in Macchiavelli'sTage treffen hauptsächlich die Momente, wo Italiens freie Volks-verfaffung listigen und gewaltsamen Usurpatoren erlag. Wer magalso den Autor tadeln, der, indem er ein System von ihm gemach-ter politischer Erfahrungen aufstellen wollte, nichts anders als einLehrbuch selbstsüchtiger boßhaftrr Abscheulichkeit zu liefern vermochte,