Madagascar .17
eines kaiserlichen Kammerherrn am abendländischen Hofe, und warauch vorher Consul gewesen. Ohne allen Grund haben ihn einigefür einen Christen gehalten. Seine Schriften bestehen aus einemfür die Geschichte der Philosophie und die Mythologie nicht ganzunwichtigen Commentar über Cicero's Traum des Scipio, in zweiBüchern, aus welchem man zugleich sieht, daß er Platoniker war;aus einer grammatischen, bloß im Auszuge eines gewissen Johannes(vielleicht des schottischen Johannes Erigena) vorhandenen, Abhand-lung von der Verschiedenheit und Verwandtschaft des lateinischenund griechischen Zeitworts; und aus seinen Saturnalien oder Tisch-gesprächen in sieben Büchern welche, ganz den compilirenden Cha-rakter ihrer Zeit an sich tragend, meist philologische Gegenstände be-handeln, und vorzüglich aus dem Gellius und Plutarch zusammen-getragen sind. Diese Werke sind von Jac. Gronov (Leiden 1670,8., nachgedruckt, London 1694, 8.), Loh. Carl Zeune (Leipzig 1774.8. mit guten Anmerkungen, aber incorrect gedruckt) und zu Zwei-brücken (1788. 2 Bde. 8.) herausgegeben, sind aber einer, neuenBearbeitung noch sehr bedürftig. A-—s.
Madagascar. Diese Insel, welche nächst Ncu-Hollanh undDornes die größte ist und auf 10,500 Quadratmeilen geschätzt wird,liegt in einer Entfernung von 75 deutschen Meilen der Küste Mo-zambik gegenüber. Und von dieser großen, an Produkten reichenund von einem sanstmüthigen Volke bewohnten Insel kennen wirnoch nicht viel mehr als die ersten Entdecker, d. h. etwas von derKüste, aber wenig oder nichts von dem Innern. Madagascar wirddurch eine von Norden nach Süden laufende hohe Bergkette ge-trennt, an deren Fuß eine Menge von Bächen und Flüssen entsprin-gen, daher es auch allenthalben trefflich bewässert ist. Die Bergesind mit Waldungen bedeckt, und bieten die größte Mannichsaltig-keit von Bäumen und Kräutern dar. Schon Mandelsloh rühmt diegroße Üppigkeit der hiesigen Vegetation. Nicht weniger fruchtbar istdie Insel an nützlichen Thieren aller Art. Fast gibt es kein Landauf der Erde, das so geschickt scheint, eine glückliche Welt für sichauszumachen, wie Madagascar. Die Einwohner dieser merkwürdi-gen Insel bestehen theils aus Ureinwohnern, theils aus Eingewan-derten. Die Ureinwohner, Madegassen oder Malegaschen genannt,sind von schwarzer Farbe, mittlerer Größe, wohlgebildet, munterund kraftvoll. Die Fremdlinge scheinen größtenteils arabischen Ur-sprungs zu seyn. Sie sind zu Ansang des lüten Jahrhunderts ausArabien oder Afrika hieher gekommen, und bestehn aus mehrerenStänzmen, von denen der Stamm Zaffe Rahimini (Abrahams Nach-kommen) eigentlich die ganze Insel beherrscht, da die Fürsten (Rho-andrians) aus ihm von dem Könige (Anpansakabe) gewählt werden.Dieser Stamm scheint jüdischer Abkunft zu seyn, denn er verehrtden Noah, Abraham, Moses, hat die Beschneidung, feiert den Sonn-abend, opfert Thiere. Auch soll ein Zwergvolk, Kimos genannt,auf der Insel wohnen; sie werden als tapfer, klug, in Ackerbau undViehzucht erfahren geschildert. Die ganze Bevölkerung der Inselwird von Flacourt auf i,6cio,ooo, von Benjowsky auf 2s- und vonRochon aus 4 Millionen angegeben. Die Portugiesen waren reoädie Entdecker von Madagascar und benannten sie, entweder ihremAnführer Loren; Almeida, oder dem heiligen Laurentius zu Eyren,St. Lorenz-Jnsel. Im I. 1642 suchten sich die Franzosen daselbstniederzulassen und wo möglich die Insel zu unterwerfen. Wirklich
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