Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
56
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56 Mahomet

zahllosen Menge von Fabeln durchwetzt, im Gegentheil aber diechristlichen Schriftsteller des Mitrelalters und selbst der neuern Zeitsich kein Gewissen daraus gemacht, eine Menge lügenhafter Beschul-digungen gegen den verhaßten Stifter des Islam vorzubringen.Ob er selbst ehrlich geglaubt, was er vortrug -als göttliche Offenba-rung, ist eine schwer zu beantwortende Frage. Am wahrschein-lichsten hält man ibn für einen religiösen Schwärmer, der sich wirk-lich für inspirirt durch die Gottheit hielt, dadurch aber doch nichtso ganz verblendet wurde, daß er die Mittel übersähe, wodurch erseine Lehre dem Volke angenehm machen und seine Herrschaft überdie Gemüther sichern könnte. Daher die Dichtung von seinen Un-terredungen mit dem Erzengel Gabriel; daher'seine erträumteReise durch die sieben Himmel des Paradieses, daher seine Nach-sicht gegen die sinnlichen Begierden eines sinnlichen Volks. Der ersteGrundsatz seines Lchrsnstems war und blieb jedoch: Nur einer(Allah) ist Gott und Mahomet fein Prophet. Dabei galten ihmMoses und Christus als gottbegcisterte Lehrer der Vorwelt under tastetekeinesweges die Glaubwürdigkeit der heiligen Geschichten undOffenbarungen des alten Judaismus und Christianismus an. Das Pa-radies, welches er den treuen Moslemin verhieß, war nichts als einsinnlicher Freudenhimmel; er selbst ahnet« vielleicht keinen andern.Seine Moral war aus der altjüdischen und christlichen zusammenge-setzt. Treue Verehrung Allahs, als des einigen Gottes, unverbrüch-licher Gehorsam gegen des Propheten Gebote; Wohlthätigkeit gegenArme, Reinlichkeit und Enthaltsamkeit von verbotnen Genüssen,Tapferkeit und ausharrender Muth für Gottes Sache bis zum Tode,und völlige glaubensvolle Ergebung in das unabwendbare Schick-sal sind die Hauptcapitel seiner Sittenlehrc. An Ceremonien,Fasten und Gebrauchen durfte es in einer solchen Religion für einsinnliches Volk nicht fehlen; das Gebot der Wallfahrt nach Meccaund Medina war aber unstreitig eine politische Maßregel, um denStammsitz des Islam für immer zu heiligen und Arabiens politisch-religiöse Bedeutenheit dauernd zu sichern. Eine der Hauptursachcnder schnellen und gewaltsamen Verbreitung seiner Lehre und Herr-schaft lag freilich in der Waffengewalt, indem alle, welche sich nichtgutwillig ihr unterwerfen wollten, mit der Schärfe des Schwelltdazu gezwungen wurden. Seltsam genug findet man in seiner Ge-schichte keine Spur, daß er zur Ausführung seiner Plane sich derWeiber bediente, obgleich er die Vielweiberei mit einiger Einschrän-kung, und die Ksbsweiberei ohne alle Grenzen zuließ. Daß er sei-ner ersten Frau vorspiegelte, die Anfälle von Fallsucht, welche erhatte, seyen Entzückungen ins Paradies, und daß Khadigi«durch Verbreitung dieser Fabel ihm zuerst Anhänger verschafft ha-be, scheint von christlichen Gegnern bloß ersonnen zu seyn, um all-gemeine Verachtung gegen den Lügenpropheten zu bewirken. Gewißist es, daß er selbst frei erklärte, er thue keine Wunder; gleichwohlschrieben ihm seine Jünger die allerunsinnigsten Wunderwerke zuzi B. daß ein Theil des Mondes in seinen Ärmel gefallen und erihn wieder an den Himmel geworfen habe; daß Wasser aus seinenFingern geträufelt; daß Steine, Bäume und Thiere ihn für Got-tes wahren Propheten laut anerkannt u. s. f. — Tugendhaft imchristlichen Sinne, war Mahomet keinesweges; denn er predigte nurToleranz, wo man sich ihm unterwarf, Mord und Zerstörungaber, wo man die Waffen gegen ihn ergriff. — Er war dabei un-