Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
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Mahomet II. S7

läugbar ein grenzenloser Wollüstling, indem er nicht nur 15 Wei-ber und Kebsweiber sich zulegte, sonder» auch unverschämt gnnugwar, vorzugeben: Gott habe die Blutschande bei allen andern Men-schen verboten, ihm aber solche aus besonderer Gnade gestattet.Nie kann er! daher in moralischer Hinsicht mit dem göttlichen Stif-ter des Christenthums verglichen werden; allein in Ansehung derpolitischen Erfolge und der Ausdehnung seines politisch-religiösenSystems erscheint er größer und für die Menschengeschichte bedeu-tender als Christus, denn unstreitig ist ein größerer Theil des be-kannten Erdbodens von Mahomedanern, als von Christen bewobnt.Gewiß ist auch die Ehrfurcht, welche die rechtgläubigen Moslmindem Propheten und allem was ihn aufs entfernteste angeht, bewei-sen, eben so groß als nur irgend in der Christenheit die Verehrungder Reliquien gewesen seyn mag. So z. B. ist die Decke in derMoschee zu Mecca, welche alle Jahre erneuert wird, noch jetztein Gegenstand der heiligsten Verehrung; das Äameel, welches denCoran zur Kaaba trägt, wird als ein heiliges Thier verehrt, undin dem Gebiet von Mecca gibt es eine unzählige Menge Tauben,die nicht einmal von den Früchten verscheucht, noch weniger getöd-tet werden dürfen, weil sie von derjenigen Taube abstammen sollen,die sich des Propheten Ohre näherte!!! Niemand als der blindeWundersüchtige Pöbel glaubt indessen da« Mährchen: MahcmetSGrab hange in der Lust. Mahomet liegt vielmehr zu Medina be-graben, wo er starb, und eine, in der heiligen Capelle verschlos-sene Urne stellt sein Grabmal vor, das mit eisernem Gitterwerkumgeben ist, und wozu niemand gelassen wird. So ist auch dassogenannte Testament Mahomet« nichts als ein untergescho-benes Machwerk späterer Zeiten, und es ging mit MahometsLehre, wie mit der des Christenthums: sie war die fruchtbare Mut-ter vieler Secten, die sich einander gegenseitig bekämpften, undunter welchen die Sonniter und Schiiten als die vorzüglichsten,noch, jetzt unter Persern und Türken den heftigsten Neligionshaßerhalten. Mahomet« Lehren und Gebote sind im Coran, in demhohen prächtigen Ausdrucke, der seiner persönlichen und nationalenDenkart gemäß war, enthalten, gemischt aus alter Landesreligion,Juden - und Christenthum, jedoch mit Auslassung der all-gemeinen und mit Verwerfung aller solcher Vorstellun-gen und Gewohnheiten, die zum Götzendienste wieder Hinleiten,oder den Ansprüchen des Propheten entgegen seyn konnten. Ge-sammelt hat diese rhapsodistischen Belehrungen Mahomets Nachfol-ger, der erste Kalif Abu-Bekr; dieser und Aly, des ProphetenSchwiegersohn, waren die thätigsten Begründer und Verbreiter desungeheuern Reichs (Kalifats), worin irdische und weltlicheGewalt mit unbeschränkter Ausdehnung sich in einer Person verein-ten, und dessen Paniere sogar über die Meerenge von Gibraltarhinaus durch den Feldherrn Tarik nach Spanien getragenwurden. rr

Mahomet II. (oder Mohammed II.) türkischer Kaiser, mitdem Beinamen Bujuk, der Große, war zu Adrianopel 14Z0 ge-boren und folgte 1451 seinem Vater Amurat II. Er beschloß so-gleich einen Krieg gegen die Griechen zu unternehmen und erschien1453 vor Constantinopel, das er zu Lande mit einem zahlreichenHeere und zu Wasser mit goo Galeeren und 200 kleinen Fahrzeu-gen einschloß und zu belagern anfing. Die Belagerten hatten starke