Maintenon 67
mahlr'n des Königs sey. Sie stand, wenn Monseigneur oder Mon-sieur hereintraten, nur einen Augenblick auf. Die Prinzen oderPrinzessinnen von Geblüt wurden nur nach erhaltner Erlaubniß inihr Zimmer gelassen, oder wenn sie sie rufen ließ, um ihnen einentrocknen Verweis zu geben. Sie nannte die Herzogin von Bur-gund nie anders als Mignonne, und wurde von dieser Tantegenannt. Das Glück der Frau von Maintenon war von kurzerDauer. Sie selbst äußert sich darüber so: »Ich war ehrgeizig ge-boren; ich bekämpfte diese Neigung. Als die Wünsche, die ich nichtmehr hatte, erfüllt waren, hielt ich mich für glücklich; aber dieserRausch währte nur d-ei Wochen." — Sie lebte seit ihrer Erhe-bung in einer Art von Abgeschiedenheit von der Weit. LudwigX 5 V. besuchte sie täglich nach der Mittagstafel und vor und nachder Abendtafel. Er arbeitete bei ihr mit seinen Ministern, wäh-rend sie las oder sich sonst beschäftigte. Wiewohl sie dem Anscheinnach von den Staatsgeschäften nichts wußte, noch wissen wollte, sohatte sie doch oft den entschiedensten Einfluß darauf. So wurde durchihre Mitwirkung Chamillart zum Minister, Marsin zum Oberbe-fehlshaber der Armee in Deutschland (170z) ernannt, Vendl-me undCatinat aber erilirt. Das Publicum machte ihr einen Borwurfaus ihren Fehlern, die ihre angeblich guten Absichten nicht immerentschuldigen konnten. In allem übrigen dem Willen Ludwigs XI V.unterworfen, war sie einzig mit der Sorge beschäftigt, ihm gefäl-lig zu seyn; und diese Sklaverei in einem schon hohen Alter machtesie unglücklicher als die Dürftigkeit, in welcher sie sich in ihrer Ju-gend befunden. Ihre Briefe enthalten darüber die merkwürdigstenÄußerungen. »Welche Marter," sagte sie einst zu Frau von Bo-lingbroke, ihrer Nichte, »einen Mann zu unterhalten, der der Un-terhaltung nicht fähig ist!" — Der König, der sie zuweilen mitübler Laune plagte, glaubte sie durch Beweise von Hochachtung zuentschädigen, wie er sie nie einer Frau gegeben. Aber diese äußernZeichen stillten nicht ihren innerlichen Gram. Die Mäßigung,- diesie sich vorgeschrieben hatte, vermehrte noch daS Unglück ihrer Lage.Sie that für ihre Familie nicht, was sie hätte thun können, weilsie es fürchtete, die Blicke des Publicums zu sehr auf sich und dieIhrigen zu ziehn. Sie selbst besaß nichts als das Landgut Mainte-non und ein Jahrgeld von 48,0c» Livres. Sie weigerte sich, mehranzunehmen. Dagegen sorgte sie für ihre Freunde und für die Ar-men. Der Marquis Dangeau, Barillon, der Abt Lestu, Racine,Desprsaur, Vardes, Bussi, Montchevreuil, Mademoiselle de Scu-deri, Madame des Houlieres verdankten ihr Gluck der Bekanntschaftmit ihr. Die Wohlthätigkeit, die sie üben konnte, erleichterte ihrmanche Beschwerde, die mit ihren Verhältnissen verbunden war.Sobald sie ihr Glück befestigt sah, entwarf sie den Plan zu einerAnstalt für unbegüterte Mädchen von Stande. Auf ihre Bitte stif-tete Ludwig XIV im I. 1686 in der Abtei von Saint-Cyr (eineStunde von Versailles) eine Anstalt, worin dreihundert jungeMädchen von sechsunddreißig Nonnen und vierundzwanzig Laien-schwestern »nenrgeldlich erzogen und unterrichtet und beim Austrittmit 1000 Thlrn. ausgestattet wurden. Die Maintenon gab dieserAnstalt ihre ganze Einrichtung. Sie entwarf die Reglements, dieauch gedruckt erschienen sind. Die Erziehung von Saint-Cyrwurde unter ihren Lugen ein wahres Muster, und die Anstaltwurde ihr um so lieber, einen je unerwarteter» Erfolg sie hatte.
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