Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
77
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Mallet du Pan

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Man erzählt viele Anekdoten von seinen Sonderbarkeiten, sei-nem Geiz und seinen Religionsmeinungen. Wir führen in derKürze einige davon an. Seinem Bedienten gab er zwanzig ThalerLohn und zehn Sous für die tägliche Ausgabe. Oft war dieserdamit nicht zufrieden und stellte vor, daß er nicht auskommenkönne; damit aber machte er es nur schlimmer. „Mein Freund,"sagte dagn Malherbe, „wenn man seinen Herrn beleidigt, beleidigtman Gott, und wenn man Gott beleidigt, muß man) um Verge-bung seiner Sünden zu erlangen, fasten und Almosen geben. Dar-um ziehe ich dir fünf Sous ab, die ich den Armen geben werde."Sein Zimmer war auf das ärmlichste ausmöblirt; da er nur einenStuhl hatte, ließ er nie mehr als einen Fremden ein, und rief de-nen, die anpochten, zu: „Wartet, ich habe keine Stühle füreuch!" — über die Weiber sprach er mit äußerster Freiheit; eben s»wenig achtete er die Religion. „Ordentliche Leute," sagte er ge-wöhnlich, „haben Hochachtung nur gegen ihren Fürsten." Wenn dieArmen ihn um Almosen baten und dabei sagten, daß sie für ihn zuGott beten wollten, pflegte er ihnen zu antworten: „Ihr mögt imHimmel nicht in großer Gunst stehen;, es wäre besser, ihr stündetin Gunst bei Hofe." Er wollte in seiner letzten Krankheit nichtbeichten, weil er, wie er sagte, es nur zu Ostern zu thun gewohntsey. Einer seiner Freunde und Schüler in cher Dichtkunst stellteihm aber vor, daß da er gelobt habe, wie andre Menschen zu leben,er auch wie sie sterben möchte. Aus diese Vorstellung ließ er einenGeistlichen rufen, der unter andern von dem Glück des andern Le-bens sprach, sich aber dabei schlechter und unfranzösischer Ausdrückebediente. Malherbe, der schon im Sterben war, unterbrach ihn,indem er sagte: „Hören Sie auf davon; Ihr schlechter Ausdruckkonnte mir's verleiden." —

Mallet du Pan (Jacques), geboren zu Genf im I. 1750,genoß in seiner Vaterstadt des trefflichsten Unterrichts. Voltaire,der ihn früh kennen lernte und lieb gewann, verschaffte ihm eineProfessur der schönen Wissenschaften zu Cassel. Mallet legte jedochnach einiger Zeit sein Amt nieder und warf sich in die Politik. Erging nach Paris, wo er zuerst die Annalen von Linguet fortsetzte.Panckouke übertrug ihm bald darauf den politischen Theil des Mer-kurs de France. So lange es ruhig blieb, gefielen die Ansichten,die Bemerkungen und die Unparteilichkeit des Journalisten allgemein.Aber sobald die Revolution ausgebrochen war, fingen die Repuvli-kaner an, ihn zu verfolgen, obgleich seine entschiedne Neigung fürcme gemischte Verfassung den Royalistcn nicht gefiel. Er verlebtevier Jahre, wie er sagt, ohne zu wissen, wenn er sich Abends nie-derlegte, ob er am nächsten Morgen noch leben oder frei seynwurde. Es wurden, wie er hinzusetzt, hundert und fünfzig Denun-ciationen, drei Verhastsdecrete, vier Anfälle in seinem Hause gegenrhn gerichtet und zwei Versiegelungen und die Einziehung aller sei-ner Habe verfügt. Vielleicht ist in dieser Aufzählung etwas Über-treibung. Da er weder in Frankreich, noch in der Schweiz mehrsicher war, ging er nach London, wo er den brittischcn Mer-cur herausgab. Dieses Journal, das das Gleichgewicht zwischen«llen Parteien halten sollte, mißfiel allen, so eifrig es auch gelesen