84 Manes
erster Sänger an der Spitze einer Gesellschaft von Sängern italieni-scher Intermezzos. Sein komisches Latent zog unaufhörlich darPublicum in seine Vorstellungen und erwarb ihm «inen solchen An-hang, daß eine Art von Bürgerkrieg daraus entstand. Er debu-birte mit der Serva Padrona von Pergolesi, die einen allgemei-nen Enthusiasmus erregte. Bald aber bildete sich eine Gegenpar-tei, welche die alte französische Musik gegen diese Neuerer in Schutznahm. So entstanden die Bouffonisten und Antibouffonisten. Un-ter den Schriftsteller» und Schöngeistern, die an diesem Streit Theilnahmens, bemerkte man vornehmlich I. I. Rousseau und Grünni.Ohne hier in diesen Gegenstand, den wir an andern Orten erwähn!haben, weiter einzugehn, führen wir nur an, daß es besonders M«-nelli war, der zuerst den Geschmack der Franzosen für die neuenMusik empfänglich machte, so daß Gluck, als er auftrat, bereit!zahlreiche Anhänger der italienischen Musik fand.
Man es, ein berühmter Ketzer des Zten Jahrhunderts, derStifter der Secte derManichäcr. Geboren in Persicn in der Skla-verei, war er von der Natur mit einnehmenden Gaben des Geisteiund Körpers ausgestattet. Eine Witwe, deren Sclave er war, ge-wann ihn lieb, adoptirte ihn und ließ ihn von den Magiern in derPhilosophie der Perser unterrichten. ManeL fand bei seiner Wohl-thäterin die Bücher des Tercbinthus, und schöpfte aus ihnen dieextravagantesten Lehrsätze, die er anfangs in Persicn ausstreute, n>«sie sich schnell verbreiteten. Er nannte sich einen Apostel Christiund den heiligen Geist, den jener zu senden versprochen habe. Erverrichtete Wunder, und gewann theils dadurch, theils durch seil»strengen Sitten, die Meinung des Volks für sich, das ihm Gewallüber alle Geister zuschrieb. Sein Ruf kam bis an den Hof des per-sischen Königs Sapor, der ihn rufen ließ, als , einer seiner Söhnrgefährlich darniedcrlag. Manes entfernte alle Ärzte und versprachden Kranken durch seine Gebete wiederherzustellen. Da aber d«rjunge Fürst in seinen Armen starb, ließ der Vater den vorgebliche«Wunderthäter in Ketten legen. Er war noch im Gefängniß, allzwei seiner Schüler, Thomas und Buddas, erschienen, um ihm ve"ihrer Sendung nach Ägypten und Indien Bericht zu erstatten. Er-schrocken über den Zustand, worin sie ihre» Lehrer fanden, beschwo-ren sie ihn, an dir Gefahr zu denken, die ihm drohte. Er aber be-ruhigte sie, erweckte ihren Muth, entflammte ihre Einbildungs-kraft, und flößte ihnen einen blinden Gehorsams gegen seine Be-fehle und eine Seclcnstärke ein, die allen Gefahren trotzte. The-mas und Buddas erzählten ihm, daß sie keine furchtbarern Feine!gefunden als die Christen. Manes fühlte die Nothwendigkeit, stmit sich auszusöhnen und beschloß seine Lehrsätze mit dem Christen-thum zu vereinigen. Manes las in der heiligen Schrift, daß ei«guter Baum keine schlechten Früchte, noch ein schlechter Baum gastFrüchte tragen könne. Darauf gründete er die Nothwendigkeitnes guten und bösen Princips in der Welt, wodurch Gutes undBöses hervorgebracht würde. Er fand, daß ^Satan das Princip derFinsterniß und der Feind Gottes sey;.er machte demnach aus it>«den Urheber des Bösen. Endlich sah er im Evangelium, daß 3-'-sus seinen Jüngern versprach, ihnen den Paraclet zu senden, dersie alle Wahrheiten lehren würde; er glaubte, daß der Paraclet zn«Zeit des Apostels Paulus noch nicht gekommen sey, weil dieser sagt!
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