Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
85
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Manes

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Unser Wissen ist unvollkommen, aber wenn die Vollkommenheit ge-kommen seyn wird, dann wird alles Unvollkommne vernichtet seyn.—2 » der Meinung, daß die Christen den Paraclct noch erwarteten,glaubte er seiner Lehre Eingang bei ihnen zu verschaffen, wenn erdiese Eigenschaft annähme. Während er so im Allgemeinen mit demPlan zur Gründung seiner Secte beschäftigt war, hörte er, daßCapor seinen Tod beschlossen habe. Er entfloh aus dem Gefängniß,wurde wieder erlangt und auf des Königs Befehl geschunden. " DieLehre des Manes, deren Apostel im zweite» Jahrhundert schon Cer-don gewesen, handelte dem bereits Gesagten zu Folge, besonders vondem Unterschiede zweier höchsten, von einander unabhängigen Prin-cipien, eines guten und böse». Der Mensch hatte auch zwei See-len, eine gute und eine böse. Das Fleisch war nach ihm das Werkdes bösen Princips; demnach waren die Ehe und die Zeugung zuverhindern. Sie waren verbrecherisch. Auch das alte Gesetz schrieber dem bösen Princip zu, und behauptete, daß alle Propheten ver-dammt seyen. Er verbot, Almosen zu geben, erklärte die Vereh-rung der Reliquien für Abgötterei und läugnete, daß ChristusMensch geworden und wirklich gelitten habe. Er lehrte, daß wereine Pflanze ausreiße oder ein Thier todte, in diese Pflanze oderin dieses Thier verwandelt werde. Seine Schüler pflegten, bevorsie ein Brot anschnitten, denjenigen zu verfluchen, der es bereitet,indem sie ihm wünschten, gesät, geerntet und gebacken zu werden,wie diese Speise. Diese Abgeschmacktheiten, statt den Fortschrittender Secte zu schaden, dienten nur dazu, sie noch mehr zu verbrei-,ten. Der Manichäismus ist von allen Ketzereien diejenige, sdie amlängsten bestanden hat. Gegen das rote Jahrhundert kamen die Manichäer»ach Jralicn und setzten sich besonders in der Lombardei fest, von wo siePriester ausschickten, die viele Proselyten machten. Die neuen Ma-nichäer hakten Veränderungen in ihrer Lehre gemacht. Viele von ih-nen waren Enthusiasten, welche die vermeintliche Erhabenheit ihrerMoral anzog. Dahin gehörten die Domherrn von Orleansj, die ei-nen großen Ruf der Frömmigkeit hatten. König Robert verurtheilresie zum Feuer, und sie stürzten sich mit Entzücken in die Flammen(w22). Am meisten machten die Manichäer in Languedoc und inder Provence Fortschritte. Man versammelte mehrere Concilien ge-gen sie, konnte aber ihre Secte mit den härtesten Maßregeln nichtausrotten. Sie drangen sogar nach Deutschland und gingen nachEngland über. Allenthalben fanden sie Anhänger, aber allenthal-ben bekämpfte man sie. Der Manichäismus, der trotz aller Hinder-nisse bestand, artete unmcrklich aus und erzeugte im iLten undiZken Jahrhundert jene Menge von Secten, welche die Religionund die Kirche zu verbessern vorgaben. Die ursprünglichen Ma-nichäer waren in zwei Classen getheilt: die Hörer, die sich desWeins, des Fleisches, der Eier und des Käses enthalten mußten,und die Erwählten, die außer einer strengen Enthaltsamkeit dasGelübde der Armuth thaten. Diese Erwählten hatten allein dasGeheimniß aller Mysterien, d. h. der ungereimtesten Schwärmereienker Secte. Es waren zwölf unter ihnen, die man Meister nannte,und ein dreizehnter, welcher das Haupt aller Andern war, nach"s Manes Muster, der, indem er sich den Paraclet nannte, zwölfApostel erwählt hatte. — Unter den Kirchenvätern hat die Ma-nichäer der heilige Augustin, der selbst zu ihnen gehört hatte, am»UPdrücklichsten und kräftigsten bekämpft.