Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
86
JPEG-Download
 

86 Manen Manifeste

Man««, bei den Römern die abgeschiednen Seelen der Ver- ^

storbnen. Man nannte sie Laren, wenn sie wohlthuend, Larve» '

oder Manien (O»rv->e vel lVIanise), wenn sie schädlich waren. Ei- !

yige hielten sie auch für die bösen und guten Genien der Mensche», i

welche diese bei ihrem Leben begleiteten. — Man zählte die Me- ^

nen zu den unterirdischen Göttern, glaubte aber, daß sie bisweilc» *

aus der Erde erschienen und als Gespenster sichtbar würden. Jni- i

besondre sollten sie an drei Tagen des Jahres, den zosten August, ^

4ten Oktober und 7ten November, die Oberwelt besuchen; daher dich ;

Tage bei den Römern für unglücklich galten. Der allgemeine Volk!- s

glaube, daß die Geister der Verstorbnen auf das gute oder bist ^

Schicksal der Lebenden, besonder« derer, mit denen sie ehemals gi- f

nau verbunden gewesen, den mächtigsten Einfluß hätten, flößte ei»! ^

allgemeine Furcht vor ihnen ein, und man hütete sich sehr, siez» H

beleidigen. Da man annahm, daß sie jeden Störer der Ruhe du "

Le'chnams verfolgten, so verehrte man die Begräbnisse sehr u»t ,

brachte den Manen Opfer und Libationen; ja man errichtete, wen» ^man nicht wußte, ob ein Todter begrabe» wäre, ein Cenotaphim», *und lud die Manen desselben unter feierlichen Ceremonien ein, siä ^dahin zur Ruhe zu begeben, aus Furcht, daß sie außerdem noh >lange auf der Oberwelt zur Qual der Lebendigen herumirren «ist . <den Körper suchen möchten. Man glaubte ferner, daß sie an Bl»lWohlgefallen hätten, schlacktet» ihnen daher beim Scheiterhauft» !verschleime Thiere, besonders solche, die dem Verstorbnen lieb gi- -Wesen waren, und verbrannte sie mit dem Leichnam.

Manichäer, die Anhänger des Manes, s. d. und Secte». ^

Manier und manierirt. Mit diesen Ausdrücken im weit!-sten Sinn bezeichnet man in den Künsten alle diejenigen Eigenschof .

ten eines Kunstwerks, die nicht aus seinem Wesen selbst, sondcn .

aus der Individualität des Künstlers hervorgegangen sind, mithii ^

tadelhafte Eigenschaften, da, gewisse Fälle ausgenommen, die Ku»i "

nach möglichster Objectivität streben soll; im engern Sinn sind filgleichbedeutend mit Künstelei, und gekünstelt. In einem »»- ^

dern Sinne spricht man von Manieren in der Musik und mv s

steht alsdann diejenigen Verzierungen darunter, die entweder dachein angenommnes Ze-chen'über den Noten, oder vermittelst kleine«Roten zwischen den gewöhnlichen Noten vorgestellt werden. Bahn ^

gehören der Triller, Pralltriller, Mordent, Doppelschlag, Schleif« ^

Borschlag, Rachschlag, Battement, -Bebung und das Hurchziet», ^

für welches Letztere kein bestimmtes Zeichen angenommen ist. A ^

theilt man die Manieren auch ein in Setz- und Spielmaniu ^

ren. Zu jenen gehören alle diejenigen Roten, die aus der Zerglü ^

derupg der melcdi>chcn Hauptnoten und aus der Vermischung du- ^

selben mit Nebenuoten entstehn, und von welchen man einige mt „

besondern Namen bezeichnet hat, wie z. B. den Läufer, die Walsi, ^

den Schwärmer u. s. w. Zu diesen gehören theils die vorhin ^gezeigten bestimmten Manieren, theils auch Veränderungen der Ne- ^kodie von unbestimmter Form, womit die Melodie einer Solost»-' ^me, besonders in Adagiosätzen, oft verziert wird. I

Manifeste. Mit diesem Namen pflegt man die Erklärung« ^der Mächte zu bezeichnen, die vornehmlich im Anfange eines Kr« ,«ges bekannt gemacht und in denen die rechtfertigenden Ursachen d» ^Kriegs dargestellt werden. Es sind diese Erklärungen gewöhiM ^«n alle und jede, an das gefammte Publicum gerichtet und so»«