Margarethe von Anjou
lM7 nach Cakmar zusammen, »nd bewog sie, ein feierliches Gesetzzii geben, das aus allen drei Königreichen eine einzige Monarchiemachte. Diese berühmte Urkunde, die unter dem Namen der cal-marischen Union bekannt ist, beruhte auf drei Hauptpunkten.Nach dem erste» sollte der Könia ein Wahlkönig bleiben; nach.dem zweiten sollte der Regent verpflichtet seyn, abwechselnd in dendrei Reichen zu residircn; nach dem dritten sollte jedes Reich seinenSenat, seine Gesetze und seine Privilegien behalten. — Diese aufden ersten Blick sp vortbeilhafte Verbindung der drei Reiche wurdedie Quelle ihrer Unterdrückung und ihres Unglücks. Margaretheselbst verletzte alle Bedingungen der Vereinigung und reizte beson-ders die Schweden zu gerechten Beschwerden. Nach ihrem Lyde (1412)folgten langwierige Kriege, durch welche endlich die Union vernich-tet wurde. Ihr nächster Nachfolger war ihr Neffe Erich Xlll., Her-zog von Pommern. Margarethe vereinigte mit den Talenten einerHeldin einige Herrschereigenschaften. Sie ließ das Gesetz mir lo-benswerther Festigkeit beobachten, so lange es nicht mit ihren Pla-nen in Widerstreit kam; nach ihrem persönlichen Interesse liebte siedie öffentliche Ordnung am meisten. Ihre Sitten waren nicht ebenregelmäßig, aber sie suchte die Meinung des Volks durch reiche Ge-schenke, die sie der Kirche machte, aufrecht zu halten. Ihr Geistwürde weiter gereicht haben, wenn er gebildeter gewesen wäre. Siesprach mit Kreist und mit Anmuth, und bediente sich mit Vortheilder von der Natur empsangnen Gaben, der weiblichen Schönheitund des männlichen Muths. Verschwenderisch in ihren Lustbarkeitenund prachtvoll an ihrem Hofe, hatte sie sich den Beinamen der nor-dischen Semiramis erworben. Im Ganzen gebührt ihr mehr derRuhm einer großen als einer tugendhaften Königin. Ihre Politikwar gewandt und oft rankevoll. Ihr Interesse leitete alle ihr«Handlungen und nicht alle waren unkadelhaft.
Margarethe von Anjou, Tochter R ne's von Anjou,-Kö-nigs von Sicilien. Als Heinrich Vl., König von England, einschwacher und beschränkter Fürst, sein 2gstes Jahr erreicht hatte,dachten der Cardinal von Winchester und der Herzog von Glocestcr,die bisherigen Reichsverweser, daran, ihm eine Gemahlin zu geben.Die Partei des Cardinais siegte und Heinrich vermählte sich 144zmit Margarethe von Anjou. Diese Fürstin von seltner Schönheitverband einen männlichen Charakter mit einem lebhaften und tiefenVerstände. Sie besaß die Talente eines Regenten und die Tugen-den eines Kriegers. Die neue Königin verband sich eng mit derPartei, die sie auf den Thron berufen hatte; dagegen wurde siecineiFeindin des Herzogs von Glocester, und kam sogar in den Verdacht, in die Ermordung desselben im I. 1447 eingewilligt zu ha-,den. Es war geheime Bedingung bei der Vermählung Margare-thens gewesen, daß ihr Oheim, Carl von Anjou, wieder iu denBesitz der Grafschaft Maine eingesetzt würde, die in den Händender Engländer war. Dies geschah gleich nach Glocesters Tode; dieLeichtigkeit, mit welcher die Franzosen nunmehr in die Normandieeindringen konnten, verursachte zwei Jahre darauf den Verlust die-ser Provinz. Die Offiziere und Soldaten, welche sie vertheidigt,hatten, kehrten mißvergnügt, daß man sie ohne Unterstützung ge-laden, nach England zurück. Sie schrieben der Schwäche des Kö-nigs und der Herrschaft, die Murgarctbe unter seinem Namen aus-übte, die erlittnen Unfälle zu, und der größte Theil ihrer Lands»e»uv. kex. (N, Aufl.) VI. 8