Maria Stuart 121
lebt hatte, sie selten einer Antwort würdigte. Marie hatte 155gzu regiere» angefangen, 15Z4 sich vermählt, 15Z5 die Verfolgungenverdoppelt und starb, ohne Kinder geboren zu haben, i.ggg, in ei-nem Alter von 4.Z Jabren. Calais wurde ihr von dem Herzog vonGuiie entrissen, und so verloren in wenigen Wochen durch MariensSchuld die Engländer alles, was ihnen von ihren alten Eroberun-gen in Frankreich noch übrig geblieben war. <— Betrachtet manalle Leiden, die sie ihrem Vaterlande in dem kurzen Zeiträume vonfünf Jahren theils zugefügt, theils vorbereitet hat, so findet manwenige verabscheuenswertbere Tyrannen. Die gemäßigten Geschicht-schreiber behandeln sie mehr mit Verachtung als mit Haß. ..Sie ver-einigte in sich alles," sagt der geistreichste, „was eineabergläubigeAn-dächtlerin macht; ihre äußerste Unwissenheit machte sie eben so un-fähig, Meinungen zu bezweifeln, die sie gefaßt hatte, als Nachsichtmit Andrer Meinungen zu haben." Und an einer andern Stellesagt derselbe Schriftsteller: „Um diese Fürstin zu schildern, bedarfes nicht vieler Worte; sie hatte wenige liebens- oder achtungswertheEigenschaften, und ihre Person stimmte mit ihrem Charakter würdigübecern. Eigensinnig, aüccgläubig, heftig, boshaft, rachsüchtig,tyrannisch, verrieth sie in allen ihren Neigungen, und Handlungenihr böses Naturel und die Beschränktheit ihres Geistes."
Maria Stuart, die Tochter Jacobs V , Königsvon Schott«land, und der Maria von Lotbringen, erbte den väterlichen Thronacht Tage nach ihrer Geburt rm I. 1542. Heinrich Vlll., Königvon England, dessen Urnichte sie war, wollte sie mit seinem SohnEduard vermählen, um beide Reiche zu vereinigen. Da aber dieseVerbindung nicht zu Stande kam, vermählte sie sich im I. 1558 mitdem Dauphin Franz, dem Sohn und Nachfolger Heinrichs It. Dasschönste Loos schien einer Fürstin beschicken, die das Glück wie dieNatur mit Gunstbezeigungen überhäufte, die in ihrem siebzehntenJahre die doppelte Krone von Frankreich und Schottland trug undElisabeth den Thron von England und Irland streitig machen konnte,die mit hoher Schönheit einen gebildeten Geist und ein edles, groß-müthiges Herz verband, geliebt von ihrem Gemahl, angebetet vonden Franzosen und verehrt von einem Hofe, der bei der Neigung fürdie Wissenschaften noch die feine Sitte und Galanterie bewahrte, dieFranz l. eingeführt hatte. Hopital, Ronsard, Du Bellay und alleDichter jener Zeit priesen wetteifernd die bezaubernde Anmuth, diesanften Lugenden, den Geist und die Talente der jungen Königinund erblickten für sie in der Zukunft eine lange Verkettung vonGlückseligkeiten. Diese Täuschung verschwand nach achtzehn Mona-ten. Franz II starb; Carl IX. folgte ihm und Katharina von Me-diris erlangte ihr ganzes Ansehn wieder. Maria Stuart erkanntebald, daß sie nur noch in Schottland Königin sey und war genöthigt,dahin zurückzukehren. Sie hatte ihren Schmerz über den LodsiyresGemahls in einer rührenden Elegie ausgelassen; bei ihrer Abreistdrückte sie ihren Kummer und ihr banges Vorgefühl in den bekanntenVersen aus:
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