Maria Etiiart 123
»ischc Flotte, sagte man, sey angekommen, sie zik befreien, dieSchotten haben einen Einfall gemacht, eine Armee unter dem Her-zog sey in der Provinz Sussex gelandet. Elisabeth, beunrubigtoder beunruhigt scheinend, ließ Marien, die ihres Gleichen war,richten, als ob sie ihr Unterthan sey. Zweiundvierzig Parlaments-glieder und fünf Richter des Königreichs verhörten sie in ihrem Ge-fängniß zu Fotheringay. Sie protestirte, aber sie antwortete. Niegab es ein incompetentere^ Gericht, nie ein unregelmäßigeres Ver-fahren. Man legte ihr Kopien von ihren Briefen vor, nie die Ori-ginale ; man machte das Zeugniß ihrer Secretäre gegen sie geltend,aber man stellte sie ihr nicht gegenüber; man gab vor, daß sie durchdie Aussage dreier Verschwornen überführt worden, die man hinge-richtet hatte, und deren Tod man hätte aufschieben muffen, um siemit ihr und vor ihr zu befragen. Kurz, wäre man in den For-men verfahren, welche di Billigkeit für den geringsten Menschenfodert, und hätte man auch beweisen können, daß Maria sich umHülfe und Rath allenthalben bemühe, so würde man sie doch nichthaben des Todes für schuldig erklären können. Elisabeth hatte keingültiges Richtcramt über sie; ihr Recht war das Recht des Stärker»über den Schwachen und Unglücklichen. Aber ihre Politik sodertedies Opfer. Maria wurde zum Tode verurtheilt, und sie ertrug ihnmit großer Seele. „Der Tod, der meinen Leiden ein Ende machenwird," sagte sie, ,,ist mir willkommen. Ich halte die Seele für un-werth der" himmlischen Herrlichkeit, die zu schwach ist, denKörper auf dem Hinübergange in die Wohnung der Seli-gen zu unterstützen." In ihren letzten Lagen verband siedie Übungen einer muthvollen Frömmigkeit mit der zärtlichstenSorgfalt für ihre Diener. Nachdem sie Geschenke unter sie ausge-theilt und zu ihren Gunsten an Heinrich IN. und den Herzog vonGiiiie geschrieben hatte, verlangte sie, daß man sie Zeugen ihresTodes seyn lasse. Der Graf von Kent verweigerte es mit Härte.Gekränkt rief Maria aus: .Ich bin die Muhme eurer Königin,ich bin aus dem königlichen Blute Heinrichs VIII., ich war Köni-gin von Frankreich durch Heirath und als Königin von Schottlandgeweiht." — Statt ihr einen katholischen Beichtvater zu geben,den sie verlangte, schickte man ihr einen protestantischen Geistlichen,der sie mit der ewigen Verdammniß bedrohte, wenn sie nicht ihrerReligion entsagte. ..Beunruhigen Sie sich darüber nicht," sagte sieihm mebrcreMale mit Lebhaftigkeit, „ich bin i» der katholischen Reli-gion geboren, ich habe darin gelebt, ich will darin sterben." — EinCrucifix, das sie in der Hand hielt, bewog den Grafen Kent zuder Äußerung, daß sie den Christus lieber im Herzen als in denHänden haben solle. Sie antwortete mit Würde, daß es schwer sei,den Erlöser in der Hand zu haben, ohne daß das Herz davon leb-haft gerührt würde. Man erlaubte nur wenigen von ihren Die-nern, sie zu begleiten. Sie wählte vier männliche und zwei weib-liche Personen aus ihrer Dienerschaft. „Lebe wohl, Melwill,"sagte sie zu dem einen derselben, ..Du wirst das lang ersehnteEnde meines Unglücks sehn. Verkündige es, daß ich unerschütterlichin der Religion gestorben bin, und daß ich den Himmel für diejeni-gen um Gnade bitte, die nach meinem Blute gedürstet hat.Sage meinem Sohn, daß er seiner Mutter gedenken solle; noch ein-mal lebe wohl, Melwill," fügte sie hinzu: „deine Gebieterin, deineKönigin empfiehlt sich deinem Gebet," — Nachdem sie am igteu