Band 
Sechster Band. M und N.
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1^4 Maria Sttiart

Februar 1587 zwei Stunden vor Tagesanbruch aufgestanden war,um die Vollziehung des Urtheils nicht zu verzögern, kleidete sie sichmit mehr Sorgfalt als gewöhnlich an. Sie legte ein schwärzetSammtkleid an, um auch äußerlich wie eine Königin zu erscheinen.Sie ging darauf in ihr Betzimmer, wo sie nach einigem Gebet sichselbst das Abendmahl reichte, mittelst einer geweihten Hostie, welcheder Papst ihr gesandt hatte. Als die Commisiaricn eintraten, danktesie ihnen für ihre Sorgfalt und setzte hinzu: ,,Die Engländer ha.-den mehr als einmal ihre Hände in das Blut ihrer Könige ge-taucht. Ich bin aus demselben Blute; so ist denn i» meinem Todeund ihrem Betragen nichts Ungewöhnliches." — Man führte sie in«inen Saal, wo ein schwarz ausgeschlagenes Blutgerüst aufgerichtetwar. Die Zuschauer, die ihn erfüllten, sahen mit Erstaune» dieFassung dieser Königin, die in einer so vieljährigen Gefangenschaftnoch einen Theil ihrer Schönheit behalten hatte. Sie erlaubtenicht, daß der Scharfrichter sie entkleidete, indem sie äußerte, dassie nicht gewohnt sey, zu dergleichen Diensten Männerhände zu ge-brauchen. Nachdem sie noch gebetet hatte, bot sie ihren Hals dar,ohne die mindeste Furcht zu zeigen. Erst aus den zweiten Streichsiel ihr Haupt, das der Scharfrichter von dem Blutgerüste hcrab-zcigte, als den Kopf einer Vsrbrecherin. Dies war das tragischeEnde einer der schönsten Fürstinnen Europa's, die fast die Hälfteihrer Lebenszeit im Gefängnisse geschmachtet hatte. Ihre Anhäng-lichkeit an der katholischen Religion und ihre Rechte auf Englandwaren in Elisabeths Augen ihre Hauptverbrcchen. Ihre Schönheit,ihre Talente, der Schutz, den sie den Wissenschaften angebeibcnließ, der Erfolg, womit sie selbst sich ihnen widmete, ihre Festig-keit in ihren letzten Augenblicken, ihre Frömmigkeit haben überihre Fehler einen Schleier gezogen, und man gedenkt heut nur ih-res Unglücks. Wir sind in dieser Erzählung dem wahrheitlie-benden de Lhou und dem geistreichen Hume gefolgt, welche mitSorgfalt d;e Gründe der Lobredner und der Ladler Mariensgeprüft haben. Die Menschheit wird ihrem unglücklichen Tode eineThräne nicht versagen; sie erlitt ihn wie eine christliche Heldin;-der ihr Leben war nicht durchaus «einer christlichen Frau würdig.So lange nicht de Thou widerlegt, und dem, was er von demTode Heinrich StnartS, Grafen von Darnley, von ihrer Vertrau-lichkeit mit David Rizzio, von ihrer Vermählung mit Bothwell,dem Mörder Darnley's, sagt, etwas gründliches entgegengesetzt ist,werden eben so viel Flecken ick dem Leben Mariens zurückbleiben,oyne daß wir, um ihren Charakter in Schatten zu stellen, nöthighaben, ihr aus ihren Galanterien, aus ihrer Liebschaft mit Dam-rille, dem Sohn des Connctabels von Montmorency, der ihrnach Schottland folgte, aus ihrem Abenteuer mit Chastclard,der mit einer verbrecherischen Kühnheit sich in ihrem Schlafzimmerverborgen hatte, und den sie ihrer Ehre nur aufopferte, weil sienicht anders, handeln konnte, ein Berbrechen zu machen. Luchübergehen wir ihre Poesien und ihre Briefe an Botbwell undgründen unser Urtheil auf bis jetzt noch »»widerlegte Thatsachen,wobei wir »doch zugeben, daß der Tod ihres Gemahls und ihrAntheil daran vielleicht »vch ein historisches Problem sind. —Sie hinterließ von ihrem zweiten Gemahl, Heinrich Stuart, Ia-cov 1 ., König von England, und von ihrem dritten Gemahl, Both-well, eine Tochter, in eie Rotre-Dams von Ssiffons Nonne wurde.