Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
127
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Marie Louise (Königin von Spanien) 127

glänzendsten Festen, und unzählige Broschüren verkündigten, daßnun durch Berschwägerung der Napoleoniden mit dem alten StammeHabsburg der Eontinentalsriede auf immer befestigt und gesichertsey. Napoleon führte seine junge Gemahlin gleichsam im Tri-umph durch die Provinzen seines großen Reichs; aller Orten em-pfing sie Bewunderung und Verehrung, ein schützender Geniusschien sogar die Flammen in Schwarzenbergs Ballsaale von ihr ab-gewandt zu haben, und schon am Ende des Jahrs verkündete Na-poleon freudig seinen Völkern, daß Maria Louise ihren,sehnlich-sten Wunsch erfüllen, den längst ersehnten Thronerben gebärenwürde. Dieses prophetische Wort ging wirklich in Erfüllung, Amaasten März 1811 gebar Maria Louise den König von Rom,und die ganze französische Welt jubelte laut; denn nach den Aus-drücken des Moniteurs dachte jedermann an die gränzenlose Zukunftvon Macht, Ruhm und Glückseligkeit, welche sich an die Wiegedieses Kindes knüpfte!!! Der Hofstaat der Kaiserin wurde nunnoch glänzender als zuvor; er zählte allein sechsundzwanzig vor-nehme Palastdamen u. s. f. — Im folgenden Jahre begleiteteMaria Louise ihren kaiserlichen Gemahl nach Dresden, vonwo sie mit ihren kaiserlichen Ältern eine Zeit lang die geliebteHeimath besuchte, dann unter feierlichem Prunk wieder in dieHauptstadt des großen Reichs zurückkehrte, wo unter den sich drän-genden Siegsberichten von der großen Armee ihr der verfehlteEontre - Revolutionsversuch in Paris und die Erscheinung desuysten Bülletins die ersten ängstlichen Augenblicke verursachten.Doch als Napoleon selbst erschien, war bald alle Furcht besei-tigt. Er ernannte seine theure Gemahlin feierlichst zur Regentindes Reichs vor seiner Abreise zum neuen entscheidenden Kampfs,doch unter so genau abgemessenen Jnstructionen und Beschränkun-gen, daß sie über die Maximen und die Art ihres Betragens alsEtellvertreterin des Monarchen nie zweifelhaft seyn konnte. Sieerfüllte ihre Pflichten mit fast beispielloser Gewissenhaftigkeit, wo-von die letzten Reden, welche sie in der großen Rathsversammlungnach der unglücklichen Schlacht bei Leipzig hielt, Documente liefern,welche der Geschichte stets wichtig bleiben werden. In dem Unglückihres Gemahls kann man ihr durchaus das Lob eines edlen, würdi-gen Betragens nicht versagen; ihm zu folgen, war ihr nicht vergönnt;eine Zusammenkunft mit ihrem Vater bestimmte fortan ihr Verhal-ten; sie schied von Napoleon, und unter dem Titel einer Hxrzo-gin von Parma lebt sie jetzt mit ihrem Sohne, dem ehemaligenKönige von Rom, verehrt am Hofe ihres Vaters, der durch seinBenehmen bei dieser intriguaten Angelegenheit doppelt ruhmvoll alsFriedensstifter erscheint. 7.5.

Marie Louise (Königin von Spanien), Prinzessin von Parma,ward geboren am ytenDecem her 1751, undmit Carl lV. wider dessenWillen, auf ausdrücklichen Befehl seines Vaters, vermählt am 4tenSeptember 176g. Sie ist eine kluge, höchstgewandte und ihremGemahle an Geisteskraft weit überlegne Frau. Frühzeitig wußtesie es dahin zu bringen den stürmischen Sinn Carls, der anfänglichsogar in thätliche Beleidigungen gegen sie ausbrach, sich unterthä-mg zu machen und selbst die spanische Etikette in so fern zu mildern,daß sie sich dem König« zu jeder Zeit nahen durfte. Bon allem, was inStaatsangelegenheiten vorging, war sie bald sehr gut unterrichtet,"t wohnte, sie der Ausfertigung geheimer Staatsakten im geherme»