Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
128
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128 Marie Louise (Königin von Spanien)

Rathe bei und nicht selten mußten die Minister Bcsirderungsdecrete,welche zur Unterschrift schon bereit lagen, zurücknehmen, wenn Ma-ria Louise einen andern Candidaten befördert wissen wollte. Siewar nämlich klug genug, ihre Günstlinge nur von solchen Seiten zuempfehlen, die den König am meisten einnahmen, auch dann erstsich öffentlich zu dem Empfohlenen hinzuneigen, wenn Carl IV.ihm -eine ('.mist schon geschenkt hatte, sie also nur dem -Befehle ihresGemahls und Gebieters Gehorsam zu leisten schien, wenn sie denvon ihm Begnadigten gleichfalls auszeichnete. Auf diesem Wege er-hielt sie völlige Herrschaft über ihren Gemahl und schon als Prin-zessin von Asiurien hatte sie eine Intrigue mit dem ältern Godoy,dem Sohn eines armen Edelmanns in Estremadura. Allein -der klugeKönig Carl II!. hatte die Gewohnheit, sobald er dergleichen Lic-desinrrigucn bei seiner Schwiegertochter entdeckte, den Günstlingschnell zu entfernen, und so mußte auch Godoy der ältere denHof und Madrid verlassen. Bald kam jedoch in die offene Stellesein jüngerer Bruder Don Manuel Godoy, damals Lsibgardist,ein schöner, angenehmer Mann, ein trefflicher Guitarrenspieler undHöfling. Maria Louise wußte ihre neue Liebe dem scharfsichtigenSchwiegervater zu verheelen und Don Manuel bei ihrem Gemahledergestalt in Gunst zu setzen, daß er gar bald dessen erster Lieblingwurde. Nachdem also Carl IV. den Thron seines Vaters bestiegen,rächte Godoy schnell von einer Stufe der Macht zur andern,ward endlich selbst einer Prinzessin aus königlichem Eebiüte ver-mählt und mit dem Titel Principe de la Paz zum Generalissimusder spanischen Landmacht und zum Generaladmiral -er ganzen spa-nischen Marine ernannt. Maria Louise und Godoy regiertenSpanien unumschränkt, und ihr beiderseitiges Streben ging daraufhin, den Kronprinzen Ferdinand und dessen Partei beim altenKönige verdächtig zu machen, damit sie ungestört das Ruder fort-führen könnten. Aus diese» Hofcabalen, an welchen unlällgbarMaria Louise aus unnatürlichem Widerwillen gegen ihren eignenSohn thätigen Antheilnahm, entspann sich mit Hülfe französischer An,triguen und gegenseitiger Aufhetzungen jene seltsame die spanische Thron-revolution vorbereirende Catastrophe vom Zysten Oetober 1807, wo-bey der alte König seinen Sohn und Thronfolger vor aller Weltdes Verbrechens beleidigter Majestät, projectirrec Empörung undunnatürlicher Gewaltthat gegen seinen Vater beschuldigte. Verächtli-cher noch für des Königs Majestät wurde dieser schimpfliche Handel,weil Maria Louise und ihr Liebling des Volks Stimme fürchte-ten, wieder beigelegt und der Prinz, welcher auf Godoy's dringendeVorstellung einen demüthigen Brief wie ein gezüchtigter Schulkundean Vater und Mutter gestellt, zu Gnaden angenommen. Seinebekannten Anhänger, Anfantado und Escoiquiz aber bliebenvom Hofe verwiesen. Dem schimpflichen Vorspiele folgte bald diegroße Tragödie selbst; schon am i 8 ten März 1808 brach dieweltbekannteRevolution von Aranjuez aus. Ferdinand warf sei-nen Vater vom Throne, nöthigte ihn zur feierlichen Entsagung derKrone, drohte seiner Mutter Aufführung strenger Untersuchung znunterwerfen, und setzte sich mit allgemeinem Volksjubel auf SpaniensThron, Maria Louise halte jetzt, da Godoy verhaftet und derwildesten Wolkswuth Preis gegeben war, keinen andern Rückweg,als sich dem Kaiser Napoleon und seinem Oderseldberrn, JoachimWurat, der schon mit beträchtlicher Hcercsmacht nach Madrid vor-