Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
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Marie Louise Josephine Marine 129

gerückt war, in die Arme zu werfen. Carl IV- mußte daher ins ge-heim am aisten März gegen seine Thronentsagung protestiren, unddurch Murats Adjutanten, Demoutyion, wurde jene (Kor-respondenz mit Murat eingeleitet und fortgesetzt, die ein ewigerSchandfleck für Marie Louise bleiben wird, indem sie selbst in eir.nein eigenhändig am i8ten März geschriebnen Briefe ihren Sohnbeschuldigte, er habe ein sehr schlechtes Herz, sey blutdürstig undhabe nie Vater und Mutter geliebt. Murat wußte mit Gewaltden Liebling der Königin aus den Händen seiner Feinde zu retten,Carl IV., Marie Louise und Godoy erschienen, von französi-schen Truppen escortirt, sämmtlich zu Bayonne vor Napoleons Thron,als Ankläger Ferdinands VII., und die schändliche Intrigue,wobei Duroc einer der thätigsten Mitgehülfen gewesen, entwickeltesich also, daß Ferdinand durch Todesdrohung zur feierlichen Ent-sagung des spanischen Throns zu Gunsten der Verfügung Napoleonsgezwungen und als Gefangner ins innere Frankreich nach Valen-jayabgeführt, Carl IV., Marie Louise, Godoy und die Königinvon Etrurien aber mit königlichem Pompe nach Frankreich begleitetund eigentlich daselbst auch als Staatsgefangne bewacht wurden.Man veränderte dort mannichfaltig ihren Aufenthaltsort; zuletztwar es Marseille, von wo sie nach Rom im vorigen Jahre abrciff-ten. Mehr als wahrscheinlich ist jetzt auch die Königin Anstiften»der erneuerten Protestation ihres Gemahls gegen seinen, zumzweitenmal auf Spaniens Thron erhobnen Sohn. r?..

Marie Louise Josephine, Tochter Carls I V. und MarienLouisens, war geboren den ötenJuli 1732 und mit Ludwig, Jn-fantcn von Spanienf vermählt, der durch die Convention von aistcnMärz igni das Herzogthum Toscana unter dem Titel KönigreichEtrurien erhielt. Nach seinem Tode war sie Vormünberin desunmündigen Prinzen Carl Ludwig und Regentin des Landes,welches durch den Tractat von Fontain-bleau vom 27sten Oktober1807 Napoleon cedirt, und der Königin dagegen die portugiesischeProvinz Entre M'nho e Douro zugesichert wurde. An den Intri-guen der Revolution von Aranjuez hatte sie großen Antheil, führteden lebhaftesten vertraulichen Briefwechsel mit Murat, und bcglei- ;tete ihre Altern nach Frankreich, ist jetzt auch bei ihnen zu Rom. rr.

Marine. Das Wort Marine wird. oft überhaupt mit demAusdrucke Flotten gleichbedeutend gebraucht; Man spricht voneiner Handels-und einer Kriegsmarine. Vornehmlich werden jedochunter Marine die Flotten von Kriegsschiffen verstanden, die inEuropa gegenwärtig von mehreren Mächten ausschließlich zumKriege gehalten werden. Ihr Ursprung datirt sich im Allgemeinenvon der Entdeckung von Amerika und der Auffindung des See-wegs nach Ostindien, Hatten gleich vorher auch die Staaten Eu-ropas schon Kriege zur See geführt und Seeschlachten gefochten,so hatten sie dagegen noch keine ausschließlich zu diesem Endzweckebestimmten Flotten unterhalten; man bediente sich gewöhnlicher Han-delsschiffe, die man für den Augenblick bewaffnete. So bestandendie ersten Flotten der Spanier und Portugiesen, mit denen siedie entfernteren Meere befuhren, aus Handelsschiffen, die zugleichzum Handel und ^um Kriege gerüstet waren. E gland und Hol-land waren es, die zuerst eine eigene Kriegsmarine in Europaerrichteten; ein Beispiel, das die übrigen seefahrenden Staaten»als mehr oder weniger glücklich nachahmten. Die englische Wa-ren». (N. Aug.) VI. 9