Band 
Sechster Band. M und N.
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i38 Marivaux

chen. Aber der Soldat, dem die Vollziehung aufgetragen war, ließbei des Marius Anblick und Anrede das Schwert fallen, und kehrteunverrichteter Sache zurück. Dies bewog die Minturner zum Mit-leid; sie widerriefen ihrUrtheil, und brachten ihn an die Sceküste, vo»wo ein Schiff ihn nach Afrika hinüberführt?. Er landete in dcmHaftn des zerstörten Carthago, und vereinigte sich hier mit seinemSobne, der vergebens in Rumidien Hülfe gesucht hatte. Beide ver-lebten den Winter auf der Insel Cercina, als sie die Nachricht er-hielten, daß durch Cinna die marianische Partei wieder den Siegin Italien gewonnen habe. Er eilte dahin zurück, lehnte die ihmangetragnen Ehren ab, und vereinigte sich mit Cinna und Serto-rius. Sie beschlossen einen Angriff auf Rom, welches Octaviusvertheidigte. Da es in der Stadt an Lebensmitteln und Soldatenfehlte, erbot sich der Senat gegen has Versprechen, daß kein Römerohne Urtheil getödtet werden solle, die Thore zu öffnen. Dies ge-schah. Anfangs wollte Marius nicht vor Aufhebung seines Erilsdie Stadt betreten und schon waren die Bürger dazu versammelt,als er mit seinem zügellosen Anhange eindrang, und ein fürchterli-ches Blutbad anrichtete, dem endlich Cinna und Sertorius selbstein Ende machten. Er hatte alle zu ermorden befohlen, deren Be-grüßungen er nicht auf gleiche Weise erwiedern würde. Alle Senc-toren, die sich der Bolkspartei widersetzt hatten, wurden ermordetund ihr Vermögen consiscirt. Nur wenige entkamen dem allgemei-nen Blutbade. Als Cinna's Consulat zu Ende war, ernannte die-ser sich und den Marius eigenmächtig zu Consuln. Marius, jetztoo Jahre alt, bekleidete diese Würde zum siebenten Mal, aber erstarb schon nach den ersten siebzehn Tagen, erschöpft von den über-standnen Beschwerden, und niedergebeugt von den Sorgen, die desherbeieilenden Eylla Drohungen in ihm erwecken mußten. Romfreute sich des Todes seines Tyrannen, ward aber nur'zu bald duBeute nicht minder ehrgeiziger Bürger.

Marivaur (Pierre Carlet de Chablain de), geboren zu Paris1688, erhielt von seinen wohlhabenden Ältern eine sorgfältige Er-ziehung, die seine Talente früh entwickelte. Das Theater fesselteseinen Geschmack; da er aber im Felde der Charakterstücke nichtsNeues mehr liefern zu können glaubte, widmete er sich der Abfas-sung von Jntriguenstücken. Er brach auf diesem vielfach kkctrctneuWege eine neue Bahn, indem er die Naivetät unwillkürlich sich ver-rathender Regungen, die recht eigentlich in die komische Sphäre ge-hört, glücklich auffaßte und darstellte. Feinheit des Geistes ist ibmnicht abzusprechen, nur ist sie mit einer gewissen Kleinlichkeit desGeistes gepaart. Charaktere weiß er eigentlich eben so wenig z»schildern als Intriguen zu ersinnen. Die Verwickelung ist gewöhn-lich so lose und durchsichtig, daß man ihre Auflösung schon im erstenAugenblicke erwarten möchte. Dabei ist er in seinen Motiven s»einförmig, daß man scherzhaft sagte, wenn die Schauspieler nurseine Stücke spielten, würden sie gar nicht zu wechseln scheinen, undso manierirt, daß die Franzosen eine eigne Benennung, das m-ai-v»nck»Ae, dafür erfunden haben. Bei ihrer Erscheinung fasstenMarivaur Stücke vielen Beifall, aber nur einige haben sich aufdem Theater erhalten. Ohne uns auf die Herzählung derselbeneinzulassen, führen wir nur an, daß sie gesammelt in 5 Duodez-bänden 1758 erschienen sind. Außerdem hat Marivaur geschrieben:i. Oo specrareur srangais, welcher jedoch dem englischen Zuschauer