Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
150
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IZ0 Marot

Namen Maroniten. Bon den Melchiten oder kaiserlich gesinnte»Christen gedrängt und als Rebellen behandelt, wuchsen sie in derGegend des Gebirges Libanon, die jetzt Kesruan heißt, zu einemkriegerischen Bergvolke zusammen, das seine politische wie seine kirch-liche Gelbstständigkeit auch gegen die Mahomedaner tapfer zu ver-theidigen wußte und sie bis jetzt unter türkischer Oberherrschaft ge-gen Erlegung eines Tributs, wie die Drusen, behauptet. Die po-litische Berfassung der Maroniten ist die eines militärischen Frei-staats ; von alten Gcwobnheitsrechtcn regiert, gegen Angriffe vonaußen bewahrt, nähren sie sich zwischen ihren Bergen vom Ackerbauund vom Ertrage des Weinstoccs und Maulbeerbaums. Gemeingeisthält sie zusammen, an Einfalt der Sitten, Frugalität und Gast-freiheit gleichen sie den alten Arabern, auch g>lt unter ihnen nochdie Blutrache und zum Zeichen ihres Adels tragen sie den grünenTurban. Ihre kirchliche Verfassung erinnert sehr an die Gebräucheder alten griechischen Kirche. Seit dem i2ten Jahrhundert habensie sich mebrere Male dem Papste unterworfen und an die römischeKirche angeschlossen, ohne ihre Eigenheiten aufzugeben. Endlich er-langte es Clemens Xll , daß sie be> einer in ihrem StammklosterMar-Hanna auf dem Libanon 1736 gehaltnen Synode die Be-schlüsse der tridentinischcn Kirchenversammlung annahmen. Bis da-hin hatten sie das Abendmahl unter beiderlei Gestalt genossen, undsich dabei, wie die Griechen, schlichter Brote bedient, und nach dieserSynode blieb ihnen noch die Priesterehe nach Art der griechischenKirche und der Gebrauch der arabischen Landessprache beim Gottes-dienste, nur die Messe wird in altsyrischer Sprache gelesen. IhrOberhaupt nennt sich Patriarch von Antivchien, ob er gleich im Klo-ster Kanobin auf dem Libanon residirt, und legt dem Papste allemalnach 10 Jahren Rechenschaft von dem Zustande der maronitischen Kir-che ab. Unter ihm stehen die Bischöfe und übrigen Cleriker, die insieben Graden aufsteigen. In Kesruan sind über 200 maronitischeManns - und Frauenklöster, die der Regel des heiligen Antonius fol-gen und sich durch Feld- und Gartenbau nützlich machen. Zur Bil-dung der Cleriker besteht seit 1548 ein maronitisches Kollegium zuRom; doch ist es bis jetzt weder durch Liese Anstalt, noch durch dieSendung päpstlicher Nuntien gelungen, dieser Partei den Geist derrömischen Kirche ganz einzuflößen und sowohl die in Kesruan, alsauch die zahlreich in Aleppo, Damask, Tripolis und auf Cypernlebenden Maroniten sind immer bei ihren alten Gewohnheiten undselbst hier und da bei der alten Liturgie geblieben. L.

Marot (Cement), ein französischer Dichter, der sich besondersim Epigramm ausgezeichnet hat. Er war 149g zu Cahors geboren»nd kam früh nach Paris, wo er,, wie sein Vater, KammerdienerFranz! und Page der Herzogin von Alen^on, Margarethe vonFrankreich, wurde. Er folgte 1525 dem König nach Italic», undwurde in der Schlacht von Pavia verwundet und gefangen genommen.Nach seiner Rückkehr nach Paris kam er in den Berdacht, ein Anhän-ger Luthers zu seyn, mußte Gefangenschaft und Verfolgungen erdul-den, floh endlich I54Z nach Genf und ging von da nach Turin, woer 1Z44 starb. Marot besaß bei einem ernsten und philosophischenÄußern eine angenehme und fruchtbare Phantasie und einen lebhaftenWitz. Man hat von ihm Briese, Elegien, Rondeaux, Balladen,Sonette und Epigramme. Alle seine Gedichte, so wie auch seine inGesellschaft LesBeza verfertigte Übersetzung der Psalmen, die lange in