Marpurz Marquis 151
be» protestantischen Kirchen Frankreichs gebraucht worden ist, sind imepigrammatischen Styl abgefaßt. Natur und Naivetät sind der Cha-rakter dieses Styls , der unter dem Namen iVksroriqus bei denFranzosen eine eigne Gattung der poetischen Schreibart macht, in derverschiedne der besten Köpfe gearbeitet haben. Seine Werke sind mitden Werken seines Vaters Jean und seines Sohns Michel, dieebenfalls Dichter waren, zusammen erschienen.
Marpurg (Friedrich Wilhelm), Kriegsrath und Lottodirectorzu Berlin, war 1718 zu Seehausen geboren. Er verband mit demStudium der Wissenschaften ei» gründliches Studium dkr Musik, derer seine meiste Zeit widmete, auch nachdem er 176z das obige Amt er-halten hatte, welches er bis an seinen Tod 1705 bekleidete. Er warein eben so scharfsinniger als fruchtbarer musikalischer Schriftsteller,der alle Theile der musikalischen Wissenschaften gründlich bearbeitete,besonders aber die Lehre von der Harmonie aufklärte. Gerbernenntihn unsern ersten musikalischen Literator und Tonlehrer. Bon seinensehr zahlreichen Schriften nennen wir seine Anleitung zum Clavier-spielen in zwei Bänden, seine Abhandlung von der Fuge, seine histo-risch kritischen Bewräge zur Aufnahme der Musik, sein Handbuch beidem Generalbaß und der Composition, seine Anfangsgründe der theo-retischen Musik, seine Anleitung zurSingcomposition, seine kritischeEinleitung in die Geschichte und Lehrsätze der alten und neuen Musik,seine kritischen Briefe über die Tonkunst, und seinen Versuch über diemusikalische Temperatur. Seine Geschichte der Orgel, die ihn in sei-nen letzten Lebensjahren beschäftigte, blieb unvollendet. Als Com-ponist war er weniger ausgezeichnet.
Marqueterie ist eine Art der mosaischen oder musivischen Ar-beit, da man mit Hölzern, die theils von Natur verschiedne Farbenhaben, theils mit Farben gebeizt, theils zum Schattiren an den Sei-ten in warmem Sand oder Kalk angelaufen oder angebrannt sind,ganze Gemählde zusammensetzt. Diese Kunst war schon den Alten be-kannt und wurde theils durch Philipp Bruneleschl (geb. zu Florenz1377 , gest. 1446), theils durch den Julianus da Majano (geb. zuNeapel IZ87, gest. 1457) wieder hergestellt. Letzterer verfertigte inverschleimen Kirchen Italiens mit Gmsto und Minore viele von far-bigem Holz eingelegte Arbeit, wobei ihn seine Schüler Guido delServEno und Dominicus di Mariotto unterstützten. Benedetto daMajano (geb. zu Florenz 1444, gest. 1498) übertraf in der mitHolz eingelegten Arbeit alle Künstler seiner Zeit; er verfertigte Per-spektiven, Laubwerk und Figuren von eingelegter Arbeit auf Mö-beln, und wurde dazu selbst ins Ausland berufen. Johannes daVerona (geb. 1469, gest. 1537), der bei Philipp Bruneleschi ge-lernt hatte, wurde zu Rafaels Zeit in Rom durch seine eingeleg-ten Arbeiten von Holz berühmt. Er erfand die Kunst, dem Hvlzemit durchdringenden Ölen und siedendheißen Farben alle Arten derFarben zu geben und dann mit diesen gefärbten Hölzern besondersHäuser, Perspektive und andre Mahlereien täuschend nachzuah-men. Auch in neuern Zeiten hat man dergleichen Arbeiten ausge-führt. So wurden zu Neuwied Holztapeten für den Prinzen Carlvon Lothringen verfertigt, welche den Sabinerinnenraub vor-stellten.
Marquis (ital. Marchese), ist ein Prädikat, das ohne alleweitere Berändcrung seiner Verhältnisse jeder von niederm Adel