Band 
Sechster Band. M und N.
Seite
154
JPEG-Download
 

iZ4 Marschländer Marsiglt

Marschländer, so nennt man tiefliegende, besonders anMsereSufern befindliche Ländereien, die sich durch einen ftbrfruchtbaren, gewöhnlich schwarzen, tiefen, feuchten aber dochstark zusammenhängenden Erdboden auszeichnen. Dergleichen Lände-reien sind gewöhnlich der Rückstand ausgetrockneter Gewässer, da-her auch die große Fruchtbarkeit derselben. Ähnliche Ländereien fin-den sich an den Ufern der größer» Ströme entweder natürlich aus-getrocknet, oder durch Deiche (Dämme) trocken gelegt. Diese nenntman aber nicht sowohl Marschländer, welche Benennung nur anden Meeresküsten üblich ist, sondern Bruchland. An der Nordseesind die dittmarschen die bekanntesten. llü.

Marseille, die Hauptstadt des französischen Departementsder Rhoncmündungen, eine große und schone Handelsstadt an derKüste der Provence, mit einem Freihafen. Sie wird in die alteund neue Stadt getheilt. Berühmt ist die schöne Aussicht (Bist«)auf einer Anhöhe vor Marseille, von welcher man das mittelländi-sche Meer vor sich, und zuv linken unzählige Lusthäuser (Bastidengenannt) übersieht. Marseille zählte vor der Revolution gegenicx>,ooc> Einwohner, hatte beträchtliche Fabriken von Alaun, Seide,Galanteriewaaren, Seife, Corallen u. s. w. und trieb einen ansehn-lichen Handel nach der Levante, nach Italien und Spanien undnach der nordafrikanischen Küste. Der Hafen, dessen Eingang we-gen verborgner Klippen gefährlich ist, kann mehrere tausend Schiffefassen; für Kriegsschiffe ist er jedoch zu seicht. Die Citadelle ausder einen und das Fort St. Jean auf der andern Seite decken ihn.Außerdem beherrscht das auf einem steilen Felsen liegende Fort No-tre Dame de la Garde die auf der Landseite nicht befestigte Stadt.Das Lrinkwaffer wird durch Wasserleitungen herbeigeschafft. Zuden Sehenswürdigkeiten gehören einige jetzt aufgehobne Klöster, dieDomkirche (vormals ein Dianentempel), das Rathhaus, das Hospi-tal, der Palast des Gouverneurs, das Zeughaus und das neue Ar-senal. Ferner ward allda 172Ü eine Akademie der schönen Künste,und i8oz ein Lyceum errichtet/ mit welchem eine öffentliche Biblio-thek verbunden ist. Marseille gehört übrigens zu den älteste»Städten von Europa; eS wurde zu den Zeiten des LarquiniusPriscus von einer Colonic der Phocäer erbaut, hatte eine freiearistokratische Verfassung, und war ein Sitz der Künste und Wis-senschaften, bis die Barbaren Südgallien überschwemmten.

Mars er. Mit diesem Namen werden zwei verschied»« Völkerbezeichnet: einmal ein kriegerisches Volk in Mittel-Italien, das sichin dem Bundesgenoffenkrieg, der auch nach ihm der marsischc heißt,hervorthat; zweitens ein deutsches Volk vom Stamme der Jstävo-nen, das nach der Niederlage des Barus in die Gegenden amRhein vordrang, und sich besonders an beiden Ufern der Lippe nie-derließ, bei den folgenden Kriegen der Römer aber sich wieder i»das Innere zurückzog. Es scheint, daß die Marser zu den Che-rusker« gehörten, und nur kurze Zeit als ein eignes Volk auf-traten.

Marsigli (Lodovico Fernando, Graf von), geboren zu Bo-logna im I. 1658, war von Jugend auf mit den berühmtesten Ge-lehrten Italiens in allen Wissenschaften in Verbindung. Eine Reift,die er im I. 1679 mit dem venetianischen Gesandten wich Constan-tinopel machte, verschaffte ihm Gelegenheit, sich selbst von dem Zu-stand der ottomanischen Kriegsmacht zu unterrichten. Nachdem er