Martin (der heilige) Martin (Päpste) iS)
In der That gibt die Menge und der verhältnißmäßige Werth seiner Epigramme einen hohen Begriff von dem fast unerschöpflichenWitz des Dichters. > Die meisten derselben sind ungemein scharfsin-nig und treffend, viele voll Anmutb und attischen Salzes, vieleaber auch, in denen er die Laster seiner Zeit bespottet, nach un-sern Begriffen höchst unzüchtig und schamlos. — Eine Auswahlmartialischer Epigramme hat Namler ins Deutsche übersetzt.
Martin (der heilige), war zu Subaria in Pannonien (jetztStain in Nieder-Ungarn), um das I. zi6 geboren. Sein Vaterwar Tribunus mil tum, hatte aber das Christenthum nicht ange-nommen, und nöthigte den Sohn mit dem igtsn Jahre auch dieWaffen zu nehmen. Bald darauf ging er nach Gallien, wo er alsein Muster aller Tugenden erschien. Er theilte unter andern seinKleid mit einem Armen, der ihm an den Thoren von Amiens be-gegnete. Man breitete aus, daß Christus ihm in der folgendenNacht, mit der Hälfte dieses Kleides bedeckt, erschienen sey. Mar-tin war damals Catechumene; er wurde bald darauf getauft, ent-sagte fernem Stande und verlebte mehrere Jahre in der Zurückge-zvgenheit, bis der heilige Hilarius, Bischof von Poitiers, ihn inden Orden der Exorcisten aufnahm. In Pannonien, wohin er zu-rückkehrte, bekehrte er seine Mutter und widersetzte sich mit Eiferden Ärianern, die in Jllnrien herrschten. Er mußte dafür eineöffentliche Geißelung erdulden, wobei er die Standhastigkeit derersten Märtyrer zeigte. Er ließ sich darauf bei Poitiers nieder,wo er eine Menge von Religiösen unter seiner Leitung versammelte.3 m I. Z74 wurde ihm das Bisthum von Tours übertragen. Umsich mehr der Welt zu entzichn, erbaute er zwischen der Loire undeinem steilen Felsen das berühmte Kloster von Marmoutiers, woer so Mönche versammelte, und im I. 400 starb. Man hält diesKloster für die älteste Abtei Frankreichs. Der heilige Martin istder erste, dem die römische Kirche öffentliche Verehrung erwiesenhat. Die Anekdote, daß einst der Kaiser Maximinus bei einemGastmahle, wo er ihn zu seiner Rechten sitzen ließ, ihm den Becherzuerst habe reichen lassen, um ihn aus seiner Hand nach ihm zuempfangen, hat ihn zum Schutzpatron der Trinker gemacht; seinFest, das auf den Uten November fällt, wurde ehemals durchSchmausereien und Trinkgelage, wobei es eben nicht mäßig zu-ging (wie die alten Ausdrücke IVIarcirior und 1o mal samt IVIaiciiifür zu viel trinken und Trunkenheit beweisen), gefeiert. Es schrei-ben sich die Martinsgänse und Martinshühner daher, die das Volkzu diesem Tage den Geistlichen zu schenken pflegte. — Die demheilrgen Martin beigelegte p-oksssio sickei üe rririiracs wird fürem untergeschobnes Werk gehalten.
Martin ist der Name von fünf Päpsten, unter denen fol-gende zwei die wichtigsten sind. — Martin I., aus Lodi inEvscana gebürtig, genoß einer sorgfältigen Erziehung und wurde049 zum Papst erwählt. Er hielt sogleich eine Synode von italie-nischen Bischöfen in der Laterankirche zu Rom, und ließ die Mono-theisten, den Kaiser Heracüus und zwei landesherrliche Verordnun-gen verurtbeilen. Zur Bestrafung dieses Schrittes wurde er gefan-gen nach Constantinopel geführt, und daselbst» als ein Majestäts-verbrecher zum Tode verurtheilt. Auf die Bitte des PatriarchenPaulus verwandelte man indeß die Todesstrafe in Verbannung,