Märtyrer Masaniello i6i
Martinique hat drei feste Punkte, St. Pierre, Fort Royal undKort Trinitö.
Märtyrer, Zeugen, werden vorzugsweise diejenigen Bekennerdes Christenthums genannt, die >n den Zeiten der Verfolgung sichlieber umbringen ließen, als daß sie ihren Glauben vcrläugnet hät-ten. Der Enthusiasmus, den der Glaube, wo er Widerspruch fin-det und unterdrückt werden soll, in edlen Gemüthern erzeugt, hatder christlichen Kirche viele heroische Vorbilder dieser Art gegeben,und in allen Zeiten und Gegenden haben Neligionsbcdrückungen denMuth zum Märtyrert Hunte, d.„h. zur Aufopferung des Lebensfür den Glauben, wieder erweckt. Über die Verehrung der Märty-rer vergl. d. Art. Heilige. L-
Masaniello, eigentlich Tommaso Aniello, war zu Amalsi ge-boren und nährte sich als Fischer und Fisch- und Obsthändlerzu Neapel. Obgleich er in der größten Armuth lebte, so hatte erdoch einen hohen, stolzen und unternehmenden Geist. Liebe zurFreiheit und öftere lebbafte Äußerungen über den gränzenlosen Druck,den das Königreich Neapel seit langer Zeit von Spanien erleide,hatten ihm einen großen Anhang unter dem gemeinen Volke ver-schafft, das seine Kühnheit bewunderte. Es bedurfte nur einesAnlasses, ihn als Haupt des großen Haufens auftreten zu sehn,und dieser Anlaß ereignete sich im I. 1647. Masaniello hatteeinen Korb Früchte zur Stadt gebracht, von dem die Einnehmerden Jmpofl verlangten. Er weigerte sich, und da sie ihn bedräng-ten, warf er sich auf die Erde und rief das Volk zu Hülfe gegen dieGewaltthätigkeit der Einnehmer. Sogleich versammelte sich eineaufrührerische Menge, an deren Spitze er mit dem Ausruf: „ESlebe der König, aber zum Teufel mit der schlechten Regierung!"auf das Acciie-Bureau drang. Bon da liefen die Aufrührer zumSchlosse des Vicekönigs, Duca di Arcos, und verlangten von ihm,daß er Masaniello zum Collegen nehmen solle. Das Volk warnicht minder gegen den Adel als gegen die Spanier erbittert.Umsonst suchte der Cardinal Filomarini, Erzbischof von Neapel,die Wüthenden zu beruhigen, umsonst erschien Johann von Öster-reich, ein natürlicher Sob'n Philipps 17 ., mir zweiundzwanzig Ga-leeren im Hafen; der Aufruhr stieg nur noch höher. Masaniello,der Gouverneur der Stadt geworden war, ließ sechzig der ansehn-lichsten Paläste in Asche legen, ohne daß man das geringste ret-tete. Alle Zeichen des Königthums verschwanden. Der Mordbren-nerei folgte bald das Blutbad. Alles war Masaniello verdächtig,den, es weder an Muth, noch an Beredsamkeit fehlte, und derTod folgte seinem leisesten Argwohn auf den Fuß. Sieben Tageverflossen unter diesen Schrecknissen, bis man endlich vom Friedensprach. Man kam überein, daß die Fruchtzölle ganz abgeschafft unddie alten Freiheiten wieder hergestellt werden sollten. Die Geneh-migung des KönigS von Spanien wurde binnen einer gewissen Zeitversprochen. Masaniello legte hierauf die Waffen nieder, und kehrte,ohne irgend eine Belohnung oder Auszeichnung zu fodern, in seinenvorigen Stand zurück. Aber dessen ungeachtet behielt er viel An-sihn und zeigte seine Herrschsucht und seinen Stolz bei manchenGelegenheiten. Der Vicekönig, der sein Versprechen keineswegs zuEllen gemeint war, faßte den Entschluß, Masaniello aus demWege zu räumen. Er lud ihn zu sich und mischte ihm wahrschein-lich Gift unter den Wein; es tödket« ihn zwar nicht, aber machtee»nv. «ex. (N. Aufl.) Vl. II